Harvard-PhD mit 22

aus HEUREKA 2/07 vom 09.05.2007

27 oder jünger. In diesem zarten Alter ist es naturgemäß schwierig zu prognostizieren, ob aus Talenten Kapazunder werden. Eine exemplarische Handvoll haben wir dennoch ausgewählt, nicht zuletzt wegen des dringenden Verdachts der Mehrfachbegabung.

Stefanie Löser, 27, Molekularbiologin

Eigentlich wollte die gebürtige Deutsche ja Meeresbiologin werden, ehe sie in der Molekularbiologie und bei Josef Penninger am Wiener IMBA landete. In seinem Labor schreibt sie an ihrer Dissertation - wenn dafür Zeit wäre. Gerade hat sie nämlich an Mäusen einen vielversprechenden neuen Therapieansatz gegen Krebs entwickelt, in Konkurrenz mit einer Top-Forschergruppe aus den USA: mit "scharf" gemachten Zellen der körpereigenen Immunabwehr nämlich. Aufgrund ihrer wissenschaftlichen Verpflichtungen verpasste sie übrigens das Finale des Wissenschaftscontests Famelab. Die Vorausscheidung hatte das Forschungs- und Kommunikationstalent locker gepackt.

Sophie Loidolt, 26, Philosophin

Rechtsphänomenologie ist eine Teildisziplin der Philosophie und keine leichte Kost. Loidolt promovierte im März an der Uni Wien über Husserl, Levinas und "Vernunft als rechtliche Intentionalität" - und zwar "sub auspiciis". Auszulasten scheint sie dies nicht: Seit 2000 ist sie für die organisatorische Leitung der Festspiele Reichenau (begründet von ihren Eltern) verantwortlich und seit letztem Jahr liefert sie auch Beiträge für die http://oe1.ORF.at/ Ö1-Wissenschaftsredaktion. Radiomachen soll jedenfalls zum zweiten Standbein werden, sollte sich die Philosophie als brotlos erweisen.

Franziska Michor, 24, Krebsforscherin

In der Schule hat sie sich gelangweilt, zu Lehrveranstaltungen an die Uni Wien ging sie kaum. Wenn man es eilig hat, eignet man sich den Stoff besser selbst an. Ihren B.A. in Mathematik und Molekularbiologie machte sie in drei statt in zwei Jahren, Auslandssemester in Triest inklusive. 24 Stunden vor dem Abflug in die USA erhielt sie ihr letztes Zeugnis. Nach einem Jahr am Institute for Advanced Study in Princeton ging sie nach Harvard, wo sie 2005 mit 22 promovierte. Auf ihre Publikationsliste, darunter ein vielzitierter Nature-Aufsatz, könnte ein Fünfzigjähriger stolz sein. Derzeit forscht sie an der Harvard Medical School an mathematischen Modellen, um quantitative Aussagen über die Entwicklung bestimmter Krebsarten und deren Behandlung machen zu können. Ob sie wieder zurückkommt? "Bis auf weiteres bleibe ich in den USA."

Georg Schneider, 27, Ökonom

Einmal ist keinmal. Schneider promovierte gleich zweimal sub auspiciis, 2003 in Mathematik, 2006 in Betriebswirtschaftslehre. Da wundert es kaum, dass der Assistent am Lehrstuhl für Controlling der Uni Wien dieses Sommersemester schon die Vertretung eines Lehrstuhls an der Universität Paderborn innehat. Wie misst man die Leistung von Managern? Und wie entlohnt man Topleute angesichts schwer vorhersagbarer Entwicklungen? Dabei hilft die Mathematik, konkret die Spieltheorie. Dies gilt auch für sein neues Forschungsfeld: Unternehmensbewertungen in dynamischen Wirtschaftsbeziehungen.

Gernot Wagner, 27, Umweltökonom

Nach der Matura ging es von Amstetten direkt zum Studium an die US-Eliteunis Stanford und Harvard, wo er kurz vor Abschluss seiner Promotion steht. In seiner Forschung geht es um die Schnittstellen von Umwelt und Wirtschaft: Wie viel Öl braucht der Welthandel? Lässt sich so was wie ein "grünes Bruttoinlandsprodukt" berechnen?

Der mit einer US-Gynäkologin verheiratete Kosmopolit hat sich mit seinem Buch "Der Rest der Welt: Ein Reiseführer für überzeugte Daheimbleiber" auch schon als Satiriker versucht. Derzeit macht er ein exklusives Praktikum bei der Financial Times in London und schreibt Kommentare. Danach geht es vermutlich nach New York, es winkt ein Beraterjob bei der Boston Consulting Group.

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