Alma mater oecologica

Mark Hammer | aus HEUREKA 5/07 vom 12.12.2007

An Österreichs Unis wird fleißig zur Nachhaltigkeit geforscht. Wird sie aber auch vor Ort praktiziert? Ein Blick in die Heizungskeller und Küchen der hohen Schulen.

Von Anfang an. Das neue Gebäude wird mit Holzpellets beheizt, das Wasser erwärmt sich in Solarpaneelen, und die Hörsäle werden ausschließlich mit Ökostrom aus erneuerbaren Energieträgern beleuchtet. Bereits bei ihrer Eröffnung vor wenigen Wochen war die MODUL Privat-Universität für Tourismusmanagement am Wiener Kahlenberg ganz auf Nachhaltigkeit eingestellt.

"Sobald auch die Cafeteria fertig ist, wird es dort regionale und fair gehandelte Produkte geben", kündigt Dagmar Lund-Durlacher an. Sie unterrichtet nicht nur Marketing und Tourismustrends, sondern leitet auch die Arbeitsgruppe, die sich mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beschäftigt, die bis hin zur Beschaffung umweltfreundlicher Büromaterialien reichen. "Wir sehen uns in der Verantwortung, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Dabei ist viel Überzeugungsarbeit nötig, um einen großen Kreis an Beteiligten zu gewinnen", sagt Lund-Durlacher.

Die Einrichtung der Privatuni wurde nach ökologischen Kriterien ausgewählt, für die im internationalen Forschungsbetrieb nicht vermeidbaren Flüge werden CO2-Zertifikate gekauft. Nachhaltigkeit findet sich auch im Lehrplan wieder, in Form von Seminaren zu Umweltmanagement und nachhaltigem Tourismus.

Nachhaltig berichten. Ein gutes Image fördert das Geschäft: Viele Unternehmen beschreiben schon seit Jahren die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihres Handelns in einem Nachhaltigkeitsbericht. Allmählich geschieht dies nun auch im etwas trägeren akademischen Bereich: In Österreich haben bisher die Wiener Boku, die Uni Graz und die TU Graz einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt.

Dabei geht es um mehr als nur um eine umweltfreundiche Fassade. In diesen Berichten finden sich Kennzahlen zum Energie- und Wasserverbrauch ebenso wie zu Frauenförderung, Gleichberechtigung oder Partizipation. Neben der ökologischen geht es also auch um soziale Nachhaltigkeit. Wo man Schwächen entdeckt, werden Maßnahmen festgeschrieben. Wenn die Unis in den nächsten Jahren die neuen Versionen ihrer Berichte präsentieren, wird man sie daran messen, wie viel sie davon umgesetzt haben.

Die Uni Wien hat noch keinen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt, müht sich aber jetzt schon. So werden Neubauten energiesparend geplant, Reinigungsfirmen auch nach ökologischen Kriterien ausgewählt. Das Biozentrum in der Althanstraße im neunten Wiener Gemeindebezirk nutzt Grundwasser und Wasser aus dem Donaukanal für WCs und die Kühlung der Laborgeräte und spart so Trinkwasser ein. Die Abwärme von Serverräumen und Laborgeräten heizt über eine Rückgewinnung die Räume.

Charta und Award. Zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit bekennen sich Universitäten in einem internationalen Abkommen des Universitätsnetzwerks Copernicus-Campus. Neun österreichische Universitäten haben die Charta bisher unterzeichnet, die unter anderem die Selbstverpflichtung zu ökologischen Maßnahmen bis hin zur Weiterbildung der Mitarbeiter und Studenten zum Thema vorschreibt.

Das Wissenschaftsministerium hat heuer gemeinsam mit dem Lebensministerium auch zum ersten Mal einen Sustainability Award ausgeschrieben, um die Universitäten zur Umsetzung nachhaltiger Prinzipien anzuspornen und für bisherige Aktivitäten auszuzeichnen. In acht verschiedenen Bereichen können sich staatliche Universitäten, Fachhochschulen und pädagogische Hochschulen noch bis Mitte Jänner bewerben. Die Bereiche betreffen nicht nur Energiesparen oder Müllreduktion. Lehr- und Forschungsinhalte oder studentische Initiativen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit können ebenso eingereicht werden wie regionale und europäische Kooperationen zu dem Thema.

Geld wird es für eine Auszeichnung nicht geben, dafür eine Oscar-artige, von der Akademie der bildenden Künste gestaltete Skulptur. "Die meisten Nachfragen kommen derzeit noch von den Fachhochschulen", sagt Christian Rammel vom Forum Umweltbildung, das den Wettbewerb für die beiden Ministerien abwickelt. Beim nächsten Wettbewerb in zwei Jahren sollen in einer Sonderkategorie auch Privatunis wie jene für Tourismusmanagement teilnehmen können.

P.S.: Ende November erfolgte der Spatenstich beim I.S.T. Austria, dem Institute of Science and Technology. Auch in Maria Gugging setzt man auf Biomasse, eine Hackschnitzelheizung soll die Wissenschaftler der geplanten Exzellenz-Forschungseinrichtung wohlig wärmen. 3

Linktipps

Sustainability Award: www.nachhaltige-uni.at

Copernicus Charta: www.copernicus-campus.org

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