Medizinskandale made in Austria

aus HEUREKA 4/08 vom 05.11.2008

Vom Durchbruch zum Rückzug. Die neue Therapie galt als wissenschaftlicher Durchbruch: Der Urologe Hannes Strasser hatte mit seinen Kollegen von der Medizinischen Universität Innsbruck eine Methode entwickelt, bei der Blasenschwäche mit patienteneigenen Zellen behandelt wurde. Strasser erhielt dafür zahlreiche Preise – und viel Geld für die von ihm mitgegründete Firma Innovacell. Publikationen in Topjournalen wie Lancet folgten als wissenschaftliche Bestätigung.

Heuer im Sommer kam dann das dicke Ende: Es stellte sich heraus, dass die Studien von Strasser und seinen Mitautoren – darunter Urologie-Vorstand Georg Bartsch – zahlreiche Mängel aufwiesen: Zum Teil wurden sie ohne behördliche Begutachtung und Genehmigung durchgeführt, darüber hinaus weckten die Studiendokumente Zweifel, ob die Daten tatsächlich so erhoben worden waren, befand zumindest die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in ihrem unveröffentlichten Prüfbericht. Strasser wurde vom damaligen Rektor Clemens Sorg entlassen, Lancet zog die Publikation zurück, und der Fall, dessen Dimensionen noch immer nicht absehbar sind, liegt beim Staatsanwalt.

Faule Verhältnisse? Die Wissenschaftszeitschrift Nature befand aufgrund dieses Skandals: „Es ist etwas faul im Staate Österreich.“ Der Fall sei beispielhaft dafür, wie schlecht die Wissenschaft in Österreich mit Fehlverhalten von Forschern umginge. Dummerweise wurde Uni-Rektor Sorg just zur selben Zeit, als der Skandal seinen Höhepunkt erreichte, entlassen – wenn auch aus Gründen, die damit nichts zu tun hatten.

Der Fall in Innsbruck war indes nicht der einzige, der in letzter Zeit international für negative Presse sorgte: An der Med Uni Wien (MUW) waren Untersuchungen über die schädlichen Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung von einer medizinisch-technischen Mitarbeiterin manipuliert worden. Der verantwortliche Autor zog zumindest eine der Veröffentlichungen zurück. Sechs Studien, an denen die der Datenmanipulation verdächtigte Mitarbeiterin mitwirkte, werden noch überprüft.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die Gynäkologen Johannes Huber und Sepp Leodolter in einer Illustrierten eine angeblich „revolutionäre Krebstherapie“ bewarben, an der sie kommerziell beteiligt waren. Die Selbstanpreisung weckte ungerechtfertigte Hoffungen und war ein Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Nach einem Bericht des MUW-Weisenrats kam es immerhin zu internen Sank-tionen. K.T.

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