Die neue Agentur für wissenschaftliche Integrität

aus HEUREKA 4/08 vom 05.11.2008

Der nötige Kick. „Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch etwas Gutes hat“, sagt FWF-Präsident Christoph Kratky. Mit dem Schlechten sind die jüngsten Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich gemeint – sowie die kritischen Berichte internationaler Medien von der Neuen Zürcher Zeitung bis zu Nature im Spätsommer dieses Jahres. Das Gute: Es wird nun auch in Österreich endlich eine Stelle geben, die wissenschaftliches Fehlverhalten unabhängig untersucht, wie das der FWF bereits seit einigen Jahren geplant hatte.

Dass Nature in seinem Kommentar auf das Fehlen einer solchen Agentur für wissenschaftliche Integrität in Österreich hingewiesen hat, schadete der Sache wohl auch nicht. Wissenschaftsminister Johannes Hahn jedenfalls hat der neuen Einrichtung, die sich ausschließlich Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens annehmen soll, prompt noch mehr Kompetenzen als geplant zugesagt. Und auch die Unterstützung durch die Universitäten und Forschungseinrichtungen ist in den letzten Monaten nicht eben kleiner geworden.

Bislang ist man etwaigen Verdächtigungen bloß universitätsintern nachgegangen – an sogenannten Ombudsstellen, die vom FWF im Jahr 2003 angeregt worden waren. Diese Form der freiwilligen Selbstkontrolle funktionierte an den verschiedenen Universitäten allerdings unterschiedlich gut. Und wie sich am Innsbrucker Fall zeigte, war man damit wirklich großen und komplexen Fällen möglichen Betrugs nicht gewachsen.

Unabhängiges Expertengremium. Die Agentur, die Ende November der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist laut Kratky „als unabhängiges Expertengremium konzipiert“. Es werde als Servicestelle Fälle von möglichen Verstößen gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis entgegennehmen, behandeln und gegebenenfalls Empfehlungen abgeben. „Die Agentur sollte dabei eine Ergänzung zu bereits etablierten Stellen und Verfahren sein, ohne diese zu ersetzen oder zu verdrängen“, so Christoph Kratky.

Die Konstituierung als Verein, der von den beteiligten Einrichtungen getragen wird, soll noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Danach werden die genauen Statuten ausgearbeitet. Geplant ist jedenfalls, dass drei bis vier angesehene Forscher aus dem Ausland die Agentur leiten sollen. Sanktionen wird sie nicht verhängen. „Das bleibt schon allein rechtlich den betroffenen Institutionen vorbehalten“, so Kratky, der überzeugt ist, dass die Agentur für wissenschaftliche Integrität rein durch ihre schiere Existenz präventiv wirken wird. K.T.

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