Drei besonders grausame Experimente

aus HEUREKA 4/08 vom 05.11.2008

Pest und Cholera. Der Krieg bietet skrupellosen Wissenschaftlern sowohl die „Rechtfertigung“ als auch das „Material“ für großangelegte Versuche. So arbeitete eine geheime Abteilung der japanischen Armee, die Einheit 731, während des Zweiten Weltkriegs im besetzten China an der Entwicklung biologischer Waffen. In den Labors der „Fabriken des Todes“ wurden von 1941 bis 1944 Kriegsgefangene gezielt mit Krankheitserregern infiziert. Tausende starben. Noch höher war die Zahl der chinesischen zivilen Opfer, die in „Feldexperimenten“ mit Pest und Cholera verseucht wurden. Der verantwortliche Leiter, General Ishii Shiro (1892–1959), ein ausgebildeter Mediziner, wurde nie zur Rechenschaft gezogen; zu groß war das US-amerikanische Interesse an den Ergebnissen der monströsen Forschungen.

Syphilis. Von unverhohlenem Rassismus geprägte Forschung war keine Spezialität der NS-Wissenschaft. In der sogenannten Syphilisstudie von Tuskegee, einer Kleinstadt in Alabama, wurde in einem Langzeitexperiment (1932–1972) der US-Regierung 399 afroamerikanischen Männern, die an Syphilis erkrankt waren, absichtlich jede Therapie verweigert.

So sollte der „natürliche“ Verlauf der Krankheit erforscht werden. Einer der Verantwortlichen, John R. Heller (1905–1989), verteidigte später sein Vorgehen mit den Worten: „Die Männer waren keine Patienten, sondern Subjekte; keine Kranken, sondern klinisches Material.“ Vermutlich mehr als 100 der Männer starben an den Folgen des Experiments.

Plutonium. Nur im Kontext des Kalten Krieges und des atomaren Zeitalters sind die etwa 4000 verschiedenen Experimente der US-Regierung zu „verstehen“, bei denen zwischen 1944 und Anfang der 1970er-Jahre über 20.000 US-Bürger meist ohne ihr Wissen verstrahlt wurden. Das US-Militär wollte etwa herausfinden, wie viel Uran ein Arbeiter einer Atomfabrik verträgt und bei wie viel Becquerel Radioaktivität ein Soldat noch kämpfen kann. Auch schwangere Frauen, behinderte Kinder, Gefängnisinsassen und krebskranke Patienten wurden gezielt verstrahlt, dem Opfer eines Autounfalls wurde Plutonium injiziert. Wie viele Todesopfer und Geschädigte die Versuche forderten, wird noch heute untersucht. Beide Verbrechen, die Syphilisstudie und die Strahlenexperimente, wurden erst unter Präsident Bill Clinton aufgearbeitet, der sich im Namen der Regierung entschuldigte. U.F. / O.H.

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