Zahlen bitte!

aus HEUREKA 4/08 vom 05.11.2008

1 Dollar pro Tag zahlte die US-Regierungsbehörde Department of Veteran Affairs (DVA) über 200 Kriegsheimkehrern für die Teilnahme an einer klinischen Studie des Antirauchermittels Champix des US-Pharmariesen Pfizer. Als das DVA erfuhr, dass Champix schwere psychische Nebenwirkungen haben könnte – darunter Sehstörungen, Halluzinationen und Depressionen – verschwieg sie dies den Probanden drei Monate lang.

22 Schwangerschaftswochen reichen in Deutschland, um nach Absprache mit den Eltern bei einer Frühgeburt lebenserhaltende Maßnahmen zu setzen. Dies ist deshalb ethisch problematisch, weil zwischen der 22. und der 24. Schwangerschaftswoche die Wahrscheinlichkeit für eine sehr schwere Behinderung des Kindes bei über 60 Prozent liegt. In Österreich werden Ärzte daher erst ab einer Geburt nach 24 Schwangerschaftswochen aktiv, in den Niederlanden noch später.

30 Prozent aller Studierenden plagiieren. Diese mitunter kursierende Behauptung ist falsch und beruht auf einer Fehlinterpretation der Umfrage: Vielmehr gaben 30 Prozent der befragten Dozenten an, einmal pro Semester auf ein Plagiat zu stoßen. Wie viele Studierende jeweils unterrichtet wurden, wurde nicht erhoben. Entsprechende Rückschlüsse verbieten sich demnach.

33 Prozent aller Wissenschaftler haben sich laut einer britischen Studie schon einmal „unethisch“ verhalten. Damit sind aber keineswegs nur Datenfälschungen und Plagiate gemeint, sondern auch geringere Sünden wie die sogenannte Ehrenautorschaft oder schlampiges Führen des Labortagebuchs.

94 Veröffentlichungen, bei denen der deutsche Krebsforscher Friedhelm Herrmann Co-Autor war, enthielten konkrete Hinweise auf Datenmanipulationen. Vor allem die Analyse der Abbildungen überführte den deutschen Krebsforscher als Betrüger.

1.777 Anschuldigungen gingen zwischen 1994 und 2003 in den USA beim Office of Research Integrity (ORI) ein. Nur 547 der Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten wurden weiter verfolgt, in den anderen Fällen war das ORI nicht zuständig. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft langten zwischen 1999 und 2005 164 Beschwerden ein.

3.000 Stunden lang beobachteten Leipziger Primatologen ein wildes Rudel Schimpansen in Westafrika. Nach einer genauen Auswertung der zahlreichen Sozialkontakte war klar: die Tiere verteilen die gegenseitige Fellpflege absolut fair (s. S. 16 ff.).

20.000 US-Bürger ließ das US-Militär im Rahmen seiner „Forschungen“ ohne deren Wissen zwischen 1944 und 1974 verstrahlen (s. S. 10).

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