Darwin unter Hitler

aus HEUREKA 5/08 vom 17.12.2008

Evolutionswerbung. „In der Mehrzahl der Fälle sind unter Studierenden und Biologen gerade diejenigen die überzeugtesten (...) Nationalsozialisten, die von der Abstammungslehre und ihrer Bedeutung am stärksten durchdrungen sind.“ Das schrieb Konrad Lorenz 1940 in einem Text für die deutsche Zeitschrift Der Biologe, in dem er „die grundsätzliche und ursächliche Verflochtenheit“ von Rassenlehre und Entwicklungsgedanken betonte. War das ideologisches Wunschdenken eines sich politisch anbiedernden Darwin-Anhängers? Oder gibt es doch direkte Beziehungen zwischen der Evolutionstheorie, der Eugenik, dem Rassismus und dem Völkermord des NS-Regimes, wie dies etwa der Kreationist Richard Weikart in seinem Buch „From Darwin to Hitler“ (2004) behauptet? In Darwins eigenen Schriften wird man so gut wie keine Anhaltspunkte für einen politischen Rassismus oder den von den Nazis propagierten „Kampf ums Dasein“ finden. Wohl aber in der verworrenen Rezeption seiner Lehren. Der einflussreichste deutsche Darwin-Popularisator war zweifellos Ernst Haeckel (1834–1919), der die Evolutionstheorie explizit in den Dienst politischer Ideologie stellte und den unterschiedlichen Wert von „Rassen“ wissenschaftlich begründen wollte.

Eugenik. Auch die internationale Eugenik-Bewegung stützte sich auf Darwin, von der wiederum die NS-Rassentheoretiker nachhaltig beeinflusst wurden. Obwohl viele von ihnen als Anhänger Darwins galten, war die Akzeptanz seiner Lehren auch unter den Nazis keine ausgemachte Sache. Was letztlich auch der Grund für Lorenz’ eingangs zitierten Artikel war.

Unmittelbar zuvor nämlich hatte sich der einflussreiche NS-Erziehungstheoretiker Ernst Krieck gegen Darwins Lehren und ihre Verbreitung an den Schulen ausgesprochen, weil diese der „Würde des deutschen Menschen“ abträglich seien. K.T.

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