Liebe Leserin, lieber Leser!

Oliver Hochadel | aus HEUREKA 2/09 vom 24.06.2009

Seit 18 Monaten ist ein Mathematiker mein Büronachbar hier an der Uni. Seit 18 Monaten grüßen wir uns am Gang mit Kopfnicken, gesprochen haben wir noch kein Wort miteinander. Am Nachmittag spielt er 20 Minuten Gitarre, wohl zur Entspannung – und gar nicht schlecht. Lug ich in sein Büro, sitzt er häufiger schreibend am Tisch als tippend vor dem Computer. Hat er Besuch, malt er mit seinen Kollegen die Tafel voll. So sind sie, die Mathematiker: scheue, verschlossene, aber musikalisch begabte Nerds, die in einer unzugänglichen Welt voller Zahlen und Formeln leben.

Genug der Klischees. Nicht nur heureka!-Redakteure brauchen ein realistischeres und somit auch besseres Bild der Mathematik(er). Damit Kinder und Jugendliche nicht glauben, das sei nichts für sie, damit sie mehr Spaß bei und weniger Angst vor der Sache haben (S. 16–17). Damit Mathematikerinnen nicht mehr geringer geschätzt werden als ihre männlichen Kollegen (S. 13–15). Und damit die Herren und Frauen Banker ab sofort genauer hinhören und nicht wieder mathematische Modelle mit der Realität verwechseln (S. 4–6). Dann lässt sich die nächste Finanzkrise vielleicht vermeiden. Ich werde meinen Büronachbar jetzt gleich einmal auf einen Kaffee einladen.

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