Merkwürdige Meldungen

Neuigkeiten aus der Welt der Drogenforschung

aus HEUREKA 4/09 vom 16.12.2009

Tabakrauch macht Ratten abhängig

Ratten, die bloß „mitrauchen“, werden nikotinabhängig. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Forschern der University of Florida, die dieser Tage im Fachblatt Psychopharmacology erschien. Frei umherlaufende Ratten wurden für insgesamt vier Experimente über längere Zeit hinweg einige Stunden am Tag Tabakrauch ausgesetzt. Im ersten Versuch wurden die emotionalen Aspekte des Entzugs gemessen. Im zweiten Experiment ging es darum, ob die „mitrauchenden“ Ratten selbst versuchten, mehr Nikotin abzubekommen. Das dritte Experiment untersuchte, inwieweit der Tabakrauch bei den Ratten die Fresslust senkt, und im vierten ging es um die Frage, wie sich der Rauch auf den Hippocampus auswirkt. Tatsächlich zeigten die Tiere affektive und physische Entzugserscheinungen wie auch Veränderungen im Hippocampus. Sprich: Ratten macht der passive Kontakt mit Tabakrauch nikotinabhängig.

Cannabis hilft bei Krankheiten

Es ist mittlerweile schon wieder ein alter Hut: Extrakte aus der Hanfpflanze können auch heilsam wirken. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Studien, die unter anderem zeigen, dass Cannabis gegen Übelkeit bei Krebspatienten, Appetitlosigkeit bei Aidskranken oder chronischen Schmerzen hilft. Kalifornische Wissenschaftler von der Global Neuroscience Initiative Foundation in Los Angeles haben sich nun der Wirkung von Cannabis in Bezug auf Multiple Sklerose (MS) erneut angenommen und bestätigen nach der Metaanalyse von sechs einschlägigen Studien aus den Jahren 2002 bis 2007: Cannabis kann bei MS-Patienten Spastiken lindern und so ihre Bewegungsfähigkeit verbessern, wie sie kürzlich in der Online-Fachzeitschrift BMC-Neurology berichten. In den USA wurden deshalb erst vor kurzem entsprechende Gesetze geändert und Cannabis als Medizin anerkannt. Hierzulande ist man noch nicht so weit.

Koffein macht nicht nüchtern

Ein großer Schwarzer nach drei Bierchen – und geht schon wieder. Leider ist die durch Koffein hergestellte Wachheit bei Betrunkenen nur eine Illusion, wie US-Forscher im Fachblatt Behavioral Neuroscience (Bd. 123, Nr. 6) berichten. Sie haben Mäuse unterschiedliche Mengen von Alkohol, Kaffee oder beides konsumieren lassen und ihr Verhalten in einem Labyrinth getestet, das unliebsame Überraschungen bereithielt. Die alkoholisierten Tiere waren furchtlos und lernten schlechter, während die Nager auf Kaffee vor allem mehr Angst hatten. Mit beidem im Blut war die Furcht durch den Alkohol reduziert, während die kognitiven Fähigkeiten herabgesetzt blieben – eine verhängnisvolle Mischung. Die Forscher warnten in ihren Schlussfolgerungen deshalb insbesondere vor den beliebten Alkohol-Energy-Drink-Mixturen, die das trügerische Gefühl entstehen lassen, eh nüchtern zu sein und Gefahren richtig einzuschätzen.

Fruchtfliegen fliegen auf Alkohol

Wenn die kleinen Fruchtfliegen die Möglichkeit kriegen, sich an Alkohol zu berauschen, dann verhalten sie sich ziemlich genau so wie wir großen Menschen. Von diesem doch etwas überraschenden Ergebnis berichteten Ulrike Heberlein und Kollegen von der kalifornischen Universität San Francisco vor wenigen Tagen im Fachblatt Current Biology (Bd. 19, S. 1). Sie konnten zum einen zeigen, dass die Tiere selbst dann doch bis zur Vergiftung saufen, wenn der Alkohol unangenehm schmeckt. Zum anderen zeigte sich, dass Tiere, die sich an den Alkohol gewöhnt hatten und auf Entzug waren, danach besonders viel von der Droge schluckten. Bereits im Mai hatte Heberlein an Fruchtfliegen ein „Happy Hour“-Gen entdeckt, das für die Alkoholtoleranz mitverantwortlich ist. Beeinflusste man es mit dem Krebsmedikament Tarceva, wurden die Tiere schneller betrunken – und nahmen ergo weniger Alkohol zu sich.

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