Bücher

Ein Sammelsurium, ein Lexikon und ein Krimi

aus HEUREKA 4/09 vom 16.12.2009

Häppchenweise Drogeninformation

Mit Ben Schotts Sammelsurium hat es 2002 begonnen. Mittlerweile gibt es ein paar Dutzend Bücher, die mehr oder weniger intelligent nützliche und weniger nützliche Informationen zu einem Thema in Häppchenform kompilieren. Zu den gelungenen Exemplaren dieses Genres zählt der Miszellen-Band „Breites Wissen“, in dem Ingo Niermann und Adriano Sack bunt zusammengewürfelt so ziemlich alles an mehr oder weniger brauchbarer Information zum Thema Drogen und Sucht zusammengetragen haben: wie man einen Joint baut, welche Berühmtheit was nahm, wer daran starb, in welchen Filmen es die großartigsten Drogenszenen gibt, welche Drogen man im freien Handel kaufen kann und welche in der Natur wachsen. Stellenweise wirkt „Breites Wissen“ etwas affirmativ, aber immerhin mit guten Argumenten.

Ingo Niermann und Adriano Sack: Breites Wissen. Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer. Eichborn 2007, 187 S., € 15,40

Halluzinogenes Lexikon

Wer mehr über all jene Rauschmittel wissen will, die in der Natur so wachsen, ist mit dem Handbuch „Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A–Z“ gut bedient. Die promovierte Apothekerin Angelika Prentner beschreibt darin die weltweit wichtigsten Rauschpflanzen und -pilze inklusive ihrer Verbreitung, ihrer Zubereitung und (rituellen) Anwendungsformen. Die meisten der von Prentner behandelten bewusstseinsverändernden Pflanzen wachsen zwar in fernen Ländern. Mit der Engelstrompete, dem Krokus, dem Stechapfel oder der Tollkirsche ist aber auch einiges dabei, was sich in unserer Gegend finden und – mit aller dringend gebotenen Vorsicht – zu Arzneien oder Halluzinogenen verarbeiten lässt. Eine Neuauflage des 2004 erstmals erschienenen Handbuchs erscheint im Jänner.

Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A–Z. Springer Wien 2010. 297 S., € 39,95

Krimineller Psilo-Konsum

Dass mit psychoaktiven Pflanzen und Pilzen aus der heimischen Natur nicht zu spaßen ist, lässt sich im Krimi „Die dunkle Seite des Mondes“ (jaja, Pink Floyd lässt grüßen) von Martin Suter höchst spannend nachlesen. Der Schweizer Bestsellerautor schickt in einem seiner besten Romane einen erfolgreichen Wirtschaftsanwalt auf einen bösen Psilo-Trip, aus dem es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Immerhin findet der Drogen-Novize nach einigen Umwegen heraus, warum die magischen Pilze bei ihm solche verheerenden Wirkungen anrichteten. Doch damit ist sein Alptraum noch lange nicht überwunden. Der Krimi aus dem Jahr 2000 ist längst ein Klassiker der Drogenliteratur – und bestens als Feiertagslektüre geeignet.

Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes. Diogenes 2009. 315 S., € 10,20

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