Kommentar

Uni brennt, Finanzkrise und Wettbewerb

Gerhard Kratky | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei! Dieser Verfassungsgrundsatz sei all jenen in Erinnerung gerufen, die sich nun im Gefolge der Finanzkrise durch Gängelung, Dirigismus und Bewirtschaftungsideen mehr Effizienz und damit Einsparungen erhoffen.

Ja, alle sollen studieren dürfen und möglichst viel Freiheit bei der Studienwahl und bei der Auswahl des Studienangebots haben. Die Bologna-Architektur ist hilfreich, soll aber individuelle Bildungsbedürfnisse möglichst nicht einschränken.

Die Grundlagenforschung ist auszubauen und muss sich frei entfalten können. Thematische Vorgaben oder das Diktat der Nutzenanwendung sind kontraproduktiv, weil Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht vorhersehbar und daher nicht nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit bewertbar sind. Vorschläge, die Grundlagenforschung in Österreich einzustellen und an die EU zu delegieren (© WK-Präsident Leitl) sind punkto Kleinkariertheit kaum zu überbieten. Im Gegenteil: Das Prinzip „Ausbildung durch Forschung“ ist ein wesentliches Erfolgskriterium – auch für den Wirtschaftsstandort. Und freies Erkenntnisstreben ist ein konstituierendes Element unseres Kulturverständnisses.

Wissenschaft braucht mehr und nicht weniger Wettbewerb!

Aber gerade ein auf maximale Freiheit ausgerichtetes System braucht Methoden der Ressourcensteuerung. Selbst wenn es gelingt, die Ausgaben für das tertiäre Bildungssystem auf zwei Prozent des BIP anzuheben, gibt es Beschränkungen, innerhalb derer Ressourcen möglichst effizient und gerecht zu verteilen sind. Bleibt nur die Frage, wie diese Ressourcenverteilung vorzunehmen ist – und hier scheiden sich die Geister.

Dirigismus und planwirtschaftliche Verfahren sind der eine Weg, etwa verordnete Kontingentierung bei den Studienplätzen, Themenvorgaben für die Grundlagenforschung, unzureichend leistungsorientierte Basisfinanzierung der Universitäten. Wettbewerb ist der andere Weg.

Studierende stellen sich einem systematischen Qualitätswettbewerb um Studienplätze – je früher, desto besser. Mittel für die Grundlagenforschung werden nach internationalen Qualitätskriterien im Wettbewerbsverfahren vergeben und das Universitätspersonal wird im Wege offener, international angelegter Berufungsverfahren ausgewählt. Selbstregelnde anstelle planwirtschaftlicher Systeme sind in allen Bereichen die Devise für die Weiterentwicklung unseres Wissenschaftssystems.

Gerhard Kratky, Geschäftsführer des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich

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