Physikgeschichte

Was die Physiker schufen

Christian Zillner | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Es klingt wie der Traum eines Schülers vor dem Physiktest: Die Spitzen der europäischen Physikwissenschaften sitzen vor Abbildungen historischer physikalischer Geräte, deren Verwendungszweck sie bestimmen sollen – und keiner hat eine Ahnung.

Peter Maria Schuster, Physiker und Dichter, Autor eines legendären, erstmals im Falter erschienenen Essays über Christan Doppler, realisiert nun gemeinsam mit der European Physical Society auf Schloss Pöllau in der Steiermark das erste European Centre for the History of Physics, mit einer permanenten Schau zu österreichischen Physikern (erste Schwerpunkte: Christian Doppler, Josef Loschmidt, Josef Stefan, Ludwig Boltzmann und Victor Franz Hess) sowie mit wechselnden Beiträgen aus EU-Staaten von historischen physikalischen Geräten.

„Damit soll der historisch wertvolle Bestand der europäischen Universitäten vor Verlust und Zerstörung gerettet werden“, erklärt Schuster, „und ein Zentrum entstehen, in dem Physiker historisch arbeiten können. Denn nur Physiker können ihre eigene Geschichte aufarbeiten.“

Die Schau umfasst rund 500 Objekte als Dauer- und zeitlich begrenzte Leihgaben heimischer Universitäten. „Sie müssen fotografiert, dokumentiert, identifiziert und erklärt werden, da sie den meisten Physikern heute nicht mehr vertraut sind. Dazu habe ich ein Team von Physikerinnen und Physikern zusammengestellt, vorwiegend emeritierte Professoren, pensionierte Assistenten der Physik und ehemalige Mitarbeitern ausländischer Firmen wie Carl Zeiss, die mit diesen Geräten noch vertraut sind“, sagt Schuster.

Nicht zuletzt dieses Know-how hat die Rektorate der Universitäten überzeugt, ihre Sammlungen, die seit Jahrzehnten nicht mehr sichtbar und nie als europäisches Kulturgut erkannt worden sind, an das neue Zentrum in Schloss Pöllau zu überstellen. Das neue Ausstellungszentrum nennt sich „echophysics“, ein Akronym aus der englischen Bezeichnung European Centre for the History of Physics und eine Anspielung auf die Bergnymphe Echo.

Eröffnung und Publikumsvorträge:

Eröffnung des neuen Ausstellungszentrums auf Schloss Pöllau am 20. Mai um 16 Uhr. Titel der ersten Ausstellung: „Strahlung – der ausgesetzte Mensch“. Zur Eröffnung findet am 28./29. Mai ein internationales Symposium über die Geschichte der Physik („The Roots of Physics in Europe“) statt.

Drei Vorträge sind für die Allgemeinheit zugänglich (29. Mai um 18 Uhr, Schloss Pöllau): Günther Hasinger, Direktor MPI für Plasmaphysik, Garching: „Von der Sonne auf die Erde: Die Energie der Zukunft“, Wolfgang Baumjohann, Direktor des Victor-Franz-Hess-Forschungsinstituts der Akademie der Wissenschaften, Graz: „Was sucht Österreich im Weltraum?“ und Siegfried Bauer, Graz (ehem. Vizedirektor der Weltraumwissenschaften des NASA Goddard Space Flight Center): „Victor Franz Hess: Forscher zwischen Erde und Kosmos“. www.echophysics.org

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