Frauen-Unis – nur für Amerikanerinnen

Carolin Giermindl | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Pädagogik In den USA besetzen Absolventinnen von Frauenhochschulen auffallend viele Spitzenjobs

In Österreich wird an der Koedukation an Universitäten nicht gerüttelt. In den USA besetzen Absolventinnen von Frauenhochschulen auffallend viele Spitzenjobs, vor allem in traditionellen Männerdomänen.

Hillary Rodham Clinton, zum Beispiel. Sie drängelte sich konsequent in die erste Reihe und kandidierte für den mächtigsten Job der Welt. Oder Madeleine Albright. Die Vorvorgängerin von Hillary Clinton trat als erste Frau in der Geschichte Amerikas das Amt einer Außenministerin an. Zielorientiert, selbstbewusst, unbeirrbar – so der Eindruck, den Mrs. Albright hinterließ.

Wo haben die beiden Politikerinnen studiert? Am Wellesley College, einer Hochschule für Frauen. Mehr als 80 Women’s Colleges gibt es in den USA. Gegründet wurden sie im 19. Jahrhundert, als Hochschulen den Männern vorbehalten waren. Heute gelten die Notbehelfe von damals als Kaderschmieden weiblicher Elite: Ein Viertel aller weiblichen Kongressabgeordneten hat eine Frauenhochschule absolviert, ein Drittel aller Managerinnen in den größten Konzernen der USA studierte an einem Women’s College.

Fakten und Forschungsergebnisse belegen: Studentinnen an Frauen-Unis sind selbstbewusster, motivierter und zeigen eine höhere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Zudem trauen sie sich auch in männlich dominierten Fächern wie Naturwissenschaften und Technik mehr zu. Laut der New York Times sind 43 Prozent aller promovierten Mathematikerinnen und 50 Prozent der Ingenieurswissenschaftlerinnen in den USA Absolventinnen von Frauen Colleges.

Also, her mit den Frauen-Unis! Eine Hochschule für Frauen auch in Österreich?

Birgit Sauer, Professorin für politische Theorie und Geschlechterforschung an der Uni Wien, fände dies „als Projekt sehr spannend. Das Potenzial von Frauen wird in monoedukativem Zusammenhang sicher besser ausgeschöpft.“ Auch deutlich weniger Frauen, die nach Magister- oder Diplomprüfung der Wissenschaft den Rücken kehren, verspräche sich die Professorin davon. „Es gibt an koedukativen Hochschulen einfach zu wenig Förderangebote für Frauen nach dem ersten Studienabschluss.“

Auch im Uni-Alltag bemerkt die Politologin in Vorlesungen vor 200 oder 300 Studierenden kleine, große Unterschiede: „Da melden sich auffallend mehr Männer zu Wort. Frauen haben offenbar eine größere Hemmschwelle, in solchen Runden zu reden. Eine intelligente, leise Studentin wird aber nicht gesehen. An einer Massen-Uni muss man sichtbar sein.“

Ums Trauen geht es. Frauenhochschulen, geschützte Räume, ermöglichen es Studentinnen gezielt, viel mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln, ist Angelika Wetterer, Professorin für Geschlechtersoziologie an der Uni Graz, überzeugt. Vor allem in der Naturwissenschaft und in technischen Fachbereichen würde die Grazer Professorin Frauenstudiengänge begrüßen, „weil alle wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass Monoedukation hier von Vorteil ist. Bestimmte Geschlechterstereotype greifen einfach nicht, so bald das andere Geschlecht abwesend ist.“

Wetterer weiß von Modellversuchen an deutschen Unis und davon, dass Studiengänge für Frauen „in der Wissenschafts-Community total abgewertet werden. Tenor: Weiberkram, ein Pudding-Bachelor.“ Der Abschluss gilt weit weniger. „Dann kann man es auch gleich sein lassen“, fasst Wetterer zusammen.

Bewusst elitär gehalten, nur hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen unterrichten die besten Studentinnen – mit dieser Idee ging 100 Tage lang die „Internationale Frauenuniversität Kultur und Technik“ auf der Expo 2000 in Hannover an den Start. Das Projekt, das langfristig Bestand haben sollte, scheiterte rasch. Es fanden sich keine Geldgeber mehr.

In Österreich ist an eine Hochschule für Frauen ohnehin nicht zu denken. „Die Förderung von Frauen an Universitäten ist ein zentrales Anliegen von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Eigene Women Colleges nach US-Vorbild sind derzeit aber nicht geplant“, heißt es aus dem Ministerium.

Claudia von Werlhof, Professorin für Frauenforschung in Innsbruck, kümmert das wenig. So lange Frauen inhaltlich nichts anderes machen als Männer, sei es völlig unerheblich, an welcher Institution sie letztendlich studieren, so Werlhof. Sie fordert stattdessen eine neue, weniger patriarchal orientierte Wissenschaft. „Aber es ist naiv zu glauben, dass man den Frauen Gutes will.“

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