Die Zukunft ist weiblich

Thomas Askan Vierich | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Gesellschaft Die Frauen überholen die Männer am Arbeitsmarkt und ganz besonders bei den akademisch Qualifizierten

Ende 2009 haben in den USA die Frauen die Männer am Arbeitsplatz zahlenmäßig überholt. Frauen machen die Mehrheit der Universitätsabgänger in den OECD-Staaten aus, Tendenz steigend. In Österreich sind 54 Prozent aller Studierenden weiblich. In den USA wurden in den letzten zehn Jahren doppelt so viele Unternehmen von Frauen gegründet wie von Männern. In der EU haben Frauen sechs von acht Millionen der seit 2000 neu geschaffenen Jobs besetzt.

2011 wird es in den USA und in vielen europäischen Ländern mehr als doppelt so viele weibliche wie männliche Studierende geben. In den nächsten Jahren werden Frauen Zweidrittel der Angestellten in zehn der 15 am schnellsten wachsenden Berufsfeldern stellen.

Auch im Bereich Forschung & Entwicklung holen die dort traditionell unterrepräsentierten Frauen auf: Die Steigerungsrate bei Frauen liegt in Österreich bei 82 Prozent – deutlich höher als die 67 Prozent bei Männern. Beim wissenschaftlichen Personal haben die Frauen um 150 Prozent zugelegt, die Männern um 56. Allerdings liegt der Frauenanteil erst bei 21 Prozent.

Aber das wird sich ändern: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei den naturwissenschaftlichen Studienanfängerinnen in Österreich ist seit 2001 mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern. In den geisteswissenschaftlichen Fächern oder bei Jus sind die Frauen längst in der Mehrheit.

Dennoch werden viele Frauen für die gleiche Tätigkeit schlechter bezahlt als Männer. Frauen sind in der obersten Managementebene immer noch stark unterrepräsentiert. Laut einer britischen Studie soll es noch 60 Jahre dauern, bis die Frauen gleichberechtigt in den Vorstandsetagen der größten Unternehmen sitzen.

Doch in absehbarer Zeit werden die Frauen die Macht übernehmen – weil sie besser qualifiziert und in der Mehrheit sind. Sie werden auch die Spielregeln verändern. Frauen gelten als gruppenorientierter. Dies wird im Geschäftsleben immer wichtiger. Auch der weltweit größte Unternehmensberater McKinsey verkündet neuerdings, dass Frauen fünf von neun zentralen Managementqualitäten besser erfüllen als Männer. Deshalb raten Consulter ihren Kunden, mehr auf ihre weiblichen Angestellten zu hören.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige