Freihandbibliothek

Buchtipps von Emily Walton

aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Frau sein hat keine Logik

Es war eine These, die anfangs provozierte: Judith Butler schrieb in den frühen 90ern als eine der Ersten davon, dass das Geschlecht biologisch nicht zu definieren sei. In diesem Buch geht die US-Forscherin der Geschlechterfrage nach und beruft sich dabei auf die Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“, zwischen dem biologischen Geschlecht und der sozialen Geschlechtsidentität. Ihr Ziel ist es, die festgefahrene Logik, dass Kopf und Körper übereinstimmen müssen, zu durchbrechen. Geschlecht ist für Butler etwas Performatives und Veränderbares. Heute ist das Unbehagen der Geschlechter ein Standardwerk, soeben in der vierten Auflage erschienen.

Judith Butler. Das Unbehagen der Geschlechter. Suhrkamp. 236 Seiten. 2009

Biologisch bedingte Lebensplanung

Was kann Frau? Und was will Frau? Die Kanadierin Susan Pinker beschäftigt sich mit den Entwicklungen der Geschlechter. Welche Rolle spielt die Kindheit für künftige Lebensentscheidungen von Mann und Frau? Ist es biologisch bedingt, dass die Frau auf der Karriereleiter immer hintennach ist? Und was macht Männer mit Lernschwächen zu erfolgreichen Managern?

Susan Pinker. Begabte Mädchen, schwierige Jungs – der wahre Unterschied zwischen Männern und Frauen. Pantheon. 448 Seiten. 2009

Wer und was bin ich?

Calliope Stephanides, Enkel griechischer Einwanderer, erzählt seine Geschichte zwischen den Geschlechtern: Mit 14 bemerkt er, dass er nicht nur Mädchen, sondern auch Mann ist. Er hat bisher übersehene männliche Geschlechtsmerkmale und fühlt sich zu Frauen hingezogen. Fortan lebt er als Zwischengeschlecht und macht sich auf die Suche nach seinen Genen, seiner Familie. Jeffrey Eugenides ist ein berührendes Familienepos gelungen, in dem die Fragen „Wer und was bin ich?“ zu einer modernen griechischen Sage verwoben werden.

Jeffrey Eugenides. Middlesex. Rowohlt. 736 Seiten. 2004

Wenn Mann eine Frau macht

Bist du eine Frau? Diese Frage ist nicht ganz neu. Schon im 19. Jahrhundert war die Medizin mit Sexualdifferenzierungsstörungen, also mit Patienten von uneindeutigem Geschlecht, konfrontiert. Mangelndes Wissen trieb Mediziner oft zu brutalen Eingriffen. Alice Domurat Dreger gibt Einblick in die Arztpraxen vor über 150 Jahren, entführt nach England und Frankreich und untersucht, wie Männer damals Frauen definierten.

Alice Domurat Dreger. Hermaphrodites and the Medical Invention of Sex. Harvard University Press. 268 Seiten. 2000

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