Wissenschaftler des Jahres

Was wird hier prämiert?

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Rudolf Grimm beschäftigt sich mit ultrakalten Atomen. Am 2. Februar 2010 wurde er zum „Wissenschafter des Jahres 2009“ gewählt. Wir wollten wissen, wie diese Auszeichnung zustande kommt. Unter welchen Gesichtspunkten findet so eine Wahl eigentlich statt? Braucht man ein bestimmtes Alter? Die hiesige Staatsbürgerschaft?

„Danach wird nicht einmal gefragt. Wir haben auch keinerlei Quoten“, meint Christian Müller, Vater des Preises und Vorstandsmitglied des Klubs der Wissenschaftsjournalisten.

„Jedes Klubmitglied kann einen Vorschlag machen. Eine Wahlkommission des Klubs prüft die Vorschläge, gewählt wird der Wissenschafter des Jahres dann von den Klubmitgliedern.“

Der Sieger 2009, Rudolf Grimm, ist Experimentalphysiker, ein Sohn Mannheims und Ex-Punkmusiker. Punk ist für ihn kein Thema mehr, aber als Physiker leistete er Pionierarbeit: Seinem Team gelang es weltweit als erstem, ein Bose-Einstein-Kondensat herzustellen. „Dabei synchronisieren sich die Wellen einzelner Atome und schwingen im Gleichtakt. Dadurch sieht das Ganze aus wie ein Superatom, und Quanteneffekte treten besonders deutlich auf“, erklärt Rudolf Grimm.

Ulrike Felt vom Institut für Wissenschaftsforschung der Uni Wien sagt dazu: „Mir ist unklar, was hier prämiert wird. Wird Wissenschaft in die Gesellschaft getragen, oder ist es die Anerkennung einer Leistung? Ist es der Wissenschaftler als public person? Das ist für mich nie ganz klar geworden! Mir ist überhaupt bei einigen nicht klar, warum sie auf diesen Listen landen! Aber es gibt ja auch den Sportler des Jahres. Wir scheinen uns als Gesellschaft darauf zuzubewegen, dass wir ständig Reihungen und Rankings brauchen!“

„Wir maßen uns nicht an, die wissenschaftliche Leistung von jemandem zu bewerten – das können wir auch nicht. Es geht um die Vermittlung“, erklärt Müller.

Rudolf Grimm sagt dazu: „Es ist auch ein Beitrag zum weiteren Abbau des Elfenbeinturm-Klischees.“ Dieses Klischee hat einen Grund: „Früher haben Wissenschaftler oft aufgelegt, wenn man angerufen hat, oder gesagt, man soll in zwei Wochen wieder anrufen“, sagt Müller.

Haben geniale Selbstvermarkter unter den Wissenschaftlerinnen die besseren Chancen zum „Wissenschafter der Jahres“ gewählt zu werden? Müller bestreitet das nicht: „Der Klub will das Bemühen der Forscher auszeichnen, ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Ich habe einmal für die Science Busters plädiert. Das kam dann doch nicht so gut an.“

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