Was am Ende bleibt

Die Windel, eine Endlos-Story

Ortrun Veichtlbauer | aus HEUREKA 1/10 vom 31.03.2010

Die Revolution der Einwegwindel als Objekt der industriellen Massenkultur begann im Jahr 1961. Da brachte der Waschmittelkonzern Procter & Gamble die ersten Pampers auf den US-Markt. Schnelle Verfügbarkeit, Sauberkeit und Bequemlichkeit lauteten die Verkaufargumente. Bill Gates erklärte Jahre: „Die bei weitem beste Technologie bei mir zuhause sind Pampers.“ Seit 1979 gibt es Pampers auch in Österreich.

Im Österreich der Nachkriegszeit wurden zerschnittene Leintücher als Windeln verwendet; in den 50er- und 60er-Jahren folgten Baumwolltücher, die nach Gebrauch gewaschen werden mussten. Die Journalistin Thea Leitner schrieb: „Wenn ich heute Mütter um etwas beneide, dann sind es die Wegwerfwindeln.“

Die Reinigung der Stoffwindeln war nicht nur zeitaufwendig, sie forderte auch Zutaten, die kaum vorhanden waren, Heizmaterial zum Auskochen und Waschpulver.“ Die „Generation Mölny“ der 70er-Jahre steckte in den gelben „Schwedenhosen“ von Johnson&Johnson. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde die aus Polyethylen bestehende „Mölny“ vom Markt verdrängt. Der Hersteller von Pampers erzielt einen Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar.

Dieses Konsumgut steht allerdings auch für ein globales Müllproblem: Pampers und deren Generics bestehen aus Holz, Rohöl, Energie und Wasser. Der Saugkern besteht aus einer Mischung aus Zelluloseflocken, ab Mitte der 80er-Jahre kam der „Superabsorber“ aus nicht abbaubarem, wasserspeichernden Zucker dazu.

Ungefähr 25 Prozent des anfallenden Mülls sind Plastik und Papier, der Rest Körperausscheidungen.

Rund 4500 Windeln oder eine Tonne Windelmüll verbraucht ein Kind, bis es „sauber“ ist; das ergibt allein für Wien eine jährlich 15- bis 18.000 Tonnen, etwa vier Prozent des Restmülls. Neben dem Müllproblem schlägt der Produktionsprozess mit Rohstoff-, Energieverbrauch und Emissionen für Herstellung und Verteilung zu Buche. Bei der Stoffwindel fallen erhöhter Energie-, Wasser- und Waschmittelverbrauch für die Reinigung sowie Umweltschäden durch den intensiven Baumwollanbau an. Eine maßgebliche Ökobilanzanalyse beurteilte vor einigen Jahren beide Windelsysteme als „gleichwertig“. Die Windeldebatte gilt als nicht gelöst – sicher ist nur: der Windelverbrauch eines Kindes entspricht dem Umwelteinfluss einer Autofahrt von etwa 2000 bis 3500 Kilometern.

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