Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 2/10 vom 19.05.2010

„Das europäische Modell“, schreibt James Surowiecki im New Yorker über die Krisenbewältigung, „schadet mehr als es nutzt, wie die amerikanische Geschichte zeigt.“ Er verweist darauf, dass sich in den 1840er Jahren die US-Regierung weigerte, verschuldeten Staaten aus der Patsche zu helfen, worauf acht Staaten bankrott gingen und die US-Wirtschaft noch tiefer in einer Depression versank. „Wir haben unsere Lektion offenbar gelernt“, meint der Autor im Hinblick auf das US-Pendant zu Griechenland, Kalifornien. Auch in der Financial Times glaubt Clive Crook Kalifornien vor einer griechischen Tragödie bewahrt. Mittlerweile, und das sehen auch die renommierten Finanzwissenschaftler so, die in diesem Falter HEUREKA die Krise analysieren, sind die (Zentral-)Banker und Finanzjongleure als die Verursacher der Krise ausgemacht. Alle wundern sich nur, dass sie mit ihren Finanzspekulationen nicht aufhören. Vielleicht liegt es daran, dass sie keine andere Möglichkeit haben. Unsere Gesellschaft, und damit unsere Wirtschaft, orientiert sich an Visionen – auch wenn das ein österreichischer Bundeskanzler nie verstanden hat. Wo aber ist „The Next Big Thing“ wenn nicht in der Finanzwelt? Solange niemand mit neuen Ideen kommt, wird Geld weiterhin auf Geld setzen. Zurecht, oder? heureka@falter.at

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