Veterinärmedizin

’s Herrl steckt Hund an

Bettina Benedikt | aus HEUREKA 2/10 vom 19.05.2010

Mensch und Haustier werden sich mit der Zeit ähnlicher, sagt man. Das Gesicht, der Körperbau, die Art zu gehen. Dass Tiere sogar die gleichen Krankheiten wie ihre Besitzer haben, erlebt Herbert Schramm, Tierarzt und Zoologe, täglich in seiner Praxis.

Sogar seltene Tumore treten bei Mensch und Tier gleichzeitig auf, wie Schramm erzählt: „Einmal habe ich einer Katze Zahnstein entfernt und dabei zufällig einen Zungentumor entdeckt. Der Besitzer hat mir dann erzählt, dass auch er einen Zungen-tumor hat.“

Für den Laien mag das verblüffend sein, für die Medizinerin Erika Jensen-Jarolim ist dieser Fall keine Überraschung. Sie ist Professorin an der Medizinischen Universität Wien und Gründerin des Vereins „Rote Pfote“ zur Krebsforschung für das Tier. Den scheinbaren Zufall erklärt sie so: „Tiere leben im gleichen Umfeld wie ihre Besitzer, also sind sie den gleichen Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten ausgesetzt. Ein Zungentumor kann eine Spätfolge von Passivrauchen sein. Rauchinhaltsstoffe lagern sich an Möbeln ab, die Katze nimmt sie über das Fell auf, putzt sich und hat somit die Schadstoffe auf der Zunge.“

Gleiche Gewohnheiten bedeuten gleiche Risiken. Das bestätigt Tierarzt und Onkologe Michael Willmann von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und weist auf den Faktor Ernährung hin.

„Der Mensch glaubt, essen sei wie bei ihm selbst mit Lust verbunden, und will dem Tier mit Leckerbissen eine Freude machen. Dabei zählt für das Tier nur die Sättigung.“

So hat das Haustier nichts von Schnitzel und Co außer menschlichen Gesellschaftskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Gelenksentzündungen.

Entzündungen im Körper können das Gewebe krankhaft verändern und Krebs auslösen. Je nach Art des Tumors spielt auch die erbliche Veranlagung eine unterschiedlich große Rolle. Dass das Erbgut des Hundes mit dem des Menschen eine sehr hohe Übereinstimmung aufweist, ist die Grundlage für die Forschungsarbeit des Vereins Rote Pfote. Hier tauschen sich Human- und Tiermediziner aus im Sinne einer effizienteren Krebsforschung.

Michael Willmann ist Mitgründer dieses Vereins und an der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit der Behandlung krebskranker Tiere betraut. Er hat bei seinen Patienten einen weiteren Risikofaktor beobachtet: Stress. „Tiere mögen es gleichförmig“, sagt Willmann. „Umso mehr leiden sie, wenn sich die Lebenssituation verändert, zum Beispiel durch Konflikte, Krankheit oder Tod in der Familie. Wenn der Mensch leidet, leidet das Tier immer mit.“

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