Freihandbibliothek

Buchtipps von Emily Walton

aus HEUREKA 2/10 vom 19.05.2010

Nobelpreisträger will vor Krisen schützen

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz schreibt in „Im freien Fall“ keine bloße Analyse der Finanzmarktvergangenheit, sondern versucht sich an einem Modell zur Verhinderung künftiger Katastrophen: Er schlägt eine neue Finanzmarktpolitik vor.

Joseph Stiglitz: Im freien Fall: Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft, Siedler Verlag, 448 Seiten

Die Finanzkrise als Erzählung

Er weiß, wie Banken krachen und wie Finanzskandale in die Öffentlichkeit durchsickern. Charles Gasparino ist ein bekannter US-Wirtschaftsjournalist. Geht er auf Sendung, dreht man an der Börse den Ton der – sonst lautlosen – Fernseher auf. Mit „The Sellout“ liefert Gasparino ein Werk über Geiz und Überheblichkeit, die die Finanzmärkte ins Wanken brachten.

Charles Gasparino: The Sellout, Harper Business, 576 Seiten

Der Klassiker: Keynes aus zwei Jahrhunderten

Krisen sind in der Marktwirtschaft unvermeidbar. Sind die Turbulenzen da, kommen wir selbst nicht heraus. Der Staat muss eingreifen. Eine neue makroökonomische Wirtschaftstheorie statt Laissez-faire-Marktwirtschaft – das war John Maynard Keynes’ (nicht unumstrittener) Ansatz in den 1930er Jahren.

80 Jahre später sind seine Theorien noch aktuell: Keynes’ Hauptwerk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ führt – neben Milton Friedman und Adam Smith – den Kanon der Wirtschaftsliteratur an. 1936 verfasst, ist es nicht das zugänglichste, aber das führende Keynes-Werk.

2010 interpretiert der US-Ökonom Robert Skidelsky Keynes’ Wirtschaftstheorie neu. „Keynes für das 21. Jahrhundert“ handelt vom Versagen der Wirtschaftswissenschaft, das sie mit komplizierter Mathematik kaschierte. Es ist die Analyse einer Krise, die das System selbst hervorbrachte.

John Maynard Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Duncker & Humblot, 343 Seiten

Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters, Keynes für das 21. Jahrh., Kunstmann, 304 Seiten

Acht Jahrhunderte Finanzgeschichte

Finanzturbulenzen sind keine Naturkatastrophen, die ohne Vorwarnung auftauchen: Sie sind vorhersehbar – so auch die aktuelle Krise. Wer früh erkennen will, muss wissen, worauf zu achten ist: Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff bieten in „This time is different“ einen umfassenden Datenschatz: Kapitalflüsse, Zins- und Inflationsraten und Statistiken aus 800 Jahren.

Carmen Reinhart, Kenneth Rogoff: This time is different, Princeton University Press, 496 Seiten

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige