Forschungszentrum

Ist das IST die Zukunft?

Alexandra Aurelia Nemeth | aus HEUREKA 2/10 vom 19.05.2010

Das Institute of Science and Technology IST Austria in Klosterneuburg hatte einen schweren Start. Zu Beginn sprangen die Initiatoren des Projektes, der Experimentalphysiker Anton Zeilinger, der Physiker Arnold Schmidt und der Chemiker Peter Schuster, ab. Wegen „einer vorschnellen Entscheidung zugunsten einer suboptimalen Lösung“, hieß es vor vier Jahren. Hat sich diese „suboptimale Lösung“ mittlerweile bewährt?

Renée Schroeder, Molekularbiologin an der Uni Wien, spricht von „einer provinziellen politischen Fehlentscheidung, was den Standort anbelangt. Es ist zwar nachteilig in der Attraktivität, dies sollte aber den Erfolg nicht verhindern.“

Thomas Henzinger, Präsident des IST Austria, blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir verfolgen das Ziel, bis zum Jahr 2016 zu einem erstklassigen Forschungszentrum zu werden, das ein internationales, hochmodernes Umfeld für etwa 500 Wissenschaftler bietet.“

Erste Erfolge seien bereits nach einem knappen Jahr sichtbar: So bestellte das IST elf Professoren. Für das Doktoratskolleg haben sich hundert Jungforscher aus 26 Nationen beworben. „Forschungsgebiete sind Naturwissenschaften wie Mathematik, Physik, Chemie, Informatik und Life Sciences“, so Henzinger weiter. Der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF Christoph Kratky meint dazu: „Die Leuchtturm-Funktion des IST für das bestehende Universitätssystem kann von Nutzen sein.“ Er habe sowohl persönlich als auch in seiner Funktion als FWF-Präsident die Gründung und Ziele des Instituts stets begrüßt.

Das IST Austria als „Elite-Uni“ zu bezeichnen, wie es immer wieder vorkommt, erklärt Renée Schroeder für verfehlt.

„Es ist keine Elite-Uni, denn es ist gar keine Universität. Es ist ein Forschungszentrum, das Doktorate vergeben kann.“ Elite-Uni sei ein populistisches Wort mit wenig Inhalt, so die Wissenschaftlerin weiter.

Laut IST-Präsident Henzinger gibt es am IST die einmalige Chance, Assistenzprofessuren wie im angloamerikanischen Raum zu erwerben. Junge Wissenschaftler profitieren von unabhängigen Stellen mit eigenen Forschungsgruppen. „Damit haben Forscher in ihren produktivsten Jahren die Freiheit, ihre Ziele zu verwirklichen.“

Finanziert wird das Projekt durch die Regierung mit 500 Millionen Euro. Die Rechtsgrundlage bildet ein eigenes, 2006 im Parlament mit großer Mehrheit beschlossenes Gesetz. 500 Angestellte zählt das Institut. Das Zentralgebäude umfasst 9000 Quadratmeter und beherbergt u. a. Räume für die Forschungsgruppen theoretischer Disziplinen.

Noch in diesem Jahr soll das „Bertalanffy Foundation Building“ eröffnet werden. Finanziert wird das neue Gebäude durch die Invicta Privatstiftung mit zehn Millionen Euro.

Barry Dickson, Wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie IMP in Wien und Wittgenstein-Preisträger 2005, bringt die Diskussion um das IST auf den Punkt: Auf die Frage, wer nun dieses neue Forschungszentrum wirklich brauche, gibt er kurz und trocken zur Antwort: „Österreich.“

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