Grundlagenforschung an der Uni

Christian Zillner | aus HEUREKA 3/10 vom 09.06.2010

Nach den USA setzen China und Indien auf die Unis als Orte für Grundlagenforschung

Bei uns findet Grundlagenforschung in erster Linie an Universitäten statt. Immer wieder erklären uns sogenannte Wirtschaftsexperten, dies sei ein Problem, eigentlich wäre angewandte Forschung für unsere Wirtschaft wichtiger. Ihnen sei empfohlen, den Bericht zu lesen, den der Wissenschaftsberater von Präsident Harry Truman, Vannevar Bush, 1945 verfasst hat. Er kam zum Schluss, dass Grundlagenforschung stets die Basis für technologische Innovationen ist, auch wenn es manchmal Dekaden dauert, bis Grundlagenforschung verwertet werden kann. Oft führen ihre Ergebnisse zu Entwicklungen, an die bei der Entdeckung niemand gedacht hat. Daher zeigten private Unternehmen zu wenig Interesse an Grundlagenforschung, weshalb der Staat einzuspringen habe.

Aus Bush‘s Bericht wurde das amerikanische Wissenschaftssystem entwickelt. Es basiert auf der Finanzierung durch den Staat, der Grundlagenforschung über die Unis fördert, die das Geld für Forschung an Projekte vergeben, die durch Peer-Reviews, also Beurteilung durch Wissenschaftler, ermittelt werden. „This system has been an extraordinary success“, schreibt der Präsident von Yale Richard C. Levin in Foreign Affairs. Er berichtet, dass nun auch China und Indien dieses System übernehmen, und dabei 9 bzw. 14 Weltklasseunis gründen werden. Andere asiatische Länder wollen mitziehen.

Vielleicht bringt dies die Debatte, ob Grundlagenforschung an Unis Sinn macht, bei uns endlich an ihr wohlverdientes Ende. Wir sollten die Debatte darüber weiterführen, wie unsere Unis zu besserer Grundlagenforschung kommen. FWF-Präsident Christoph Kratky hat dazu in seinem Kommentar auf Seite 3 Vorschläge.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige