Was am Ende bleibt

Donau – Fluch und Segen

Erich Klein | aus HEUREKA 3/10 vom 09.06.2010

Die Beobachtungen des Kremser Landesgerichtsrats Anton Bruszkay stellten die geringere Erschütterung des homo austriacus im Jahre 1938 dar. Seiner neuen Farbenlehre zufolge war die Donau nicht blau, im Lauf eines Jahres zeigte sie sich vielmehr „braun – an 16 Tagen, lehmgelb – 75, schmutziggrün – 45, hellgrün – 47, grasgrün – 44, stahlgrün – 8, smaragdgrün – 56, dunkelgrün – 74“. Alfred Polgars Bonmot zehn Jahre später, die Donau sei so blau wie die Österreicher Deutsche, bringt die naturgeschichtliche Verrenkung des Wiederaufbaus zum Ausdruck.

2800 Kilometer lang, durchquert die Donau zwischen Schwarzwald und Schwarzem Meer zehn Länder. „Gelb“ ist ihre Farbe in Ungarn, Bulgaren sprechen von der „weißen Donau“. Auch wenn sie vor allem der Energiegewinnung und dem Transport dient, wir sehen die Kette von Stauseen mit Kraftwerken lieber grün …

Seit dem Spätmittelalter wird reguliert und „durchstochen“, werden Schifffahrtshindernisse beseitigt und Ufer verlegt – eine Gefahrenspirale mit unvorhersehbaren Folgen.

Im 18. Jahrhundert entwarfen die Wasserbaumeister einen neuen Fluss. Damals wurde der bis zu neun Meter lange Hausen zum letzten Mal gefangen, die industrielle Revolution „beschleunigte“ die Natur. An die Stelle von Schiffszügen, von Pferd und Mensch bewegt, traten Dampfschiffe und Kettenbagger. Doch bald nach der Arbeit der Donauregulierungskommission 1867 wurden Gegenstimmen laut. August Strindberg bewunderte von Schloss Dornach aus die allmählich verschwindenden „Überschwemmungswiesen, auf denen die Rehe spielten, die Fasane wie Raketen aus den Büschen aufflogen, ihre wie Metall glänzenden Federn zeigend; auf denen die Störche im Sumpf fischten und die Pirole in den Pappeln pfiffen“.

Ein Guckkasten, den ein Wirt aus Ybbs um 1900 für seine Touristen anfertigen ließ, zeigt Schloss Persenbeug mit schneebedeckten Bergen und Blumenwiese. Seit der Errichtung des Kraftwerkes Ybbs-Persenbeug wird die künstlich bewässert – wir leben in einer Natur aus zweiter Hand. Die Überschwemmungen sind hausgemacht. Darum wussten auch die Verantwortlichen des Donaurahmenplanes 1955: Sie beschlossen zur „Erhaltung der Donaulandschaft“ die Errichtung eines Donaumuseums.

„Donau – Fluch und Segen“ in Ardagger Markt (bis 7. November 2010)

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