Kommentar

Forschung, die wirkt

Andreas Schibany | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

Dass öffentlich geförderte Forschung wirtschaftlich etwas bringen muss, ist eine vielerorts geäußerte Überzeugung. Schließlich will man gern Wirkungen als Resultat der Forschungsförderung sehen.

Neue Begriffe wie "output- oder wirkungsorientierte Forschungsförderung" sind die rhetorischen Kraftausdrücke dieser Haltung. Allerdings können outputorientierte Förderkriterien (wie direkt messbare ökonomische Effekte oder Beschäftigungswirkungen) auch zu falschen Anreizsystemen und überzogenen Hoffnungen führen.

Zu groß sind die exogenen Einflussfaktoren auf der Wirkungsebene, um Forschung in einer simplen Input-Output-Relation zu erfassen. Dass diese Erwartungshaltung dennoch das Fördersystem prägt, erstaunt spätestens in der aktuellen Wirtschaftskrise: Viele Länder, in denen die derzeitige makroökonomische Krise besonders tief ist, schnitten in den FTI-relevanten Rankings der letzten Jahre eigentlich ganz gut ab.

Die Schwierigkeit der Messbarkeit von Wirkung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass F&E eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Nur, so rasch Einigkeit und Einsicht darob in wirtschaftlich guten Zeiten zu erzielen sind, so schwierig und mitunter kämpferisch gestalten sich konkrete Positionen dazu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Die Politik sieht sich einer steigenden Zahl von Interessen gegenüber. Sehr rasch müssen langfristige Strategien den kurzfristigen Dringlichkeiten weichen - und diese können ebenfalls sehr persistent werden.

Grundsätzlich haben unter solchen Bedingungen jene Maßnahmen und Förderideen die scheinbar besseren Argumente auf ihrer Seiten, welche die direkten ökonomischen Effekte, die Beschäftigungswirkung oder andere messbare Wirkungen darstellen können - und seien sie auch noch so seicht und holprig argumentiert.

Rasch ist man mit diversen "Hebelrechnungen" zur Stelle, und je länger so ein Hebel ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die politische Aufmerksamkeit darauf fokussiert.

Dadurch hat in solchen Zeiten jene Forschungsart, die langfristig ausgerichtet, durch hohe Unsicherheit gekennzeichnet und ausschließlich Qualitätskriterien verpflichtet ist - i.e. die Grundlagenforschung -, das Nachsehen. Freilich existiert eine Fülle an Evidenz über den wichtigen Beitrag von Grundlagenforschung für industrielle Innovationen, gleichwohl diese Effekte langfristig, mitunter indirekt und schwer zu messen sind. Nur können solche allseits bekannten Tatsachen leicht im Getöse der Dringlichkeiten untergehen.

Andreas Schibany, arbeitet als Ökonom am Zentrum für Wirtschafts- und Innovationsforschung, Joanneum Research

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