Klapp dir eine Brücke auf

Martina Powell | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

An der TU Wien wurde ein weltweit neuartiges Brückenbauverfahren entwickelt

Wie baue ich eine Brücke ressourcensparend, schnell und umweltfreundlich? Die Antwort darauf fand Johann Kollegger von der TU Wien: Man nehme die einzelnen Teile der Brücke, füge die Elemente zu einem schlanken Turm zusammen und klappt diesen dann wie einen Regenschirm auf. Am Ende muss die Tragkonstruktion nur ausbetoniert werden. Dass diese weltweit vollkommen neuartige Bautechnik auch funktioniert, wurde beim jüngsten Forschungsexperiment Ende September in Gars am Kamp demonstriert. Der Pilotversuch glückte nach anfänglichen Startschwierigkeiten: Ein 26 Meter hoher Turm konnte mit einem Kran zu einer etwa 50 Meter langen Tragkonstruktion ausgeklappt werden. Eine Fahrbahnplatte fehlt noch zur fertigen Brücke. Diese wird dann auf den aufgeklappten Betonträger montiert.

Neu an der Idee sind einzelne Bauelemente, die sich an mehreren Knotenpunkten gegeneinander drehen. "Die größte Herausforderung war, verbindende Gelenke herzustellen, die das Ausklappen unbeschadet überstehen", erklärt Kollegger. Die Technik sei universal einsetzbar - unabhängig von der Konstruktionsgröße und ob die Brücke für Personen oder Fahrzeuge gedacht ist. Bei der Anwendung des Bauvorhabens müsse man allerdings jene Kräfte, die beim Ausklappen wirken, genau beschreiben und einkalkulieren.

Schon 2006 meldete Kollegger, Leiter des Instituts für Tragkonstruktionen der TU Wien, ein Patent für diese spezielle Konstruktion an. Vier Jahre später gibt es bereits erste Bauprojekte, bei denen die Klappmethode angewandt werden soll. Sie bringt Material- und Kostenersparnis bis zu 30 Prozent und eine geringere Umwelt- und Arbeitsbelastung beim Bau.

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