Holzbau

Das Hochhaus aus Holz ist keine Utopie

Florian Aicher | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

Die Klimadebatte beschert dem Baustoff Holz steigende Aufmerksamkeit: Es ist CO2-neutral, hochwertig, langlebig und behaglich. Außerdem lässt es sich recht problemlos entsorgen. Für die Holzproduktion und den Verbrauch wird ein stetes durchschnittliches Wachstum von 2,2 Prozent prognostiziert. In der Baubranche stieg der Anteil von Holzkonstruktionen im letzten Jahrzehnt um 25 Prozent auf ein Fünftel des gesamten gebauten Volumens.

Neue Holzbauformen

Viel verändert sich im Holzbau. Lange haben die beiden grundsätzlich verschiedenen Verfahren Fachwerk- und Blockbau das Bild bestimmt. Aus Ersterem ging der Skelett-, vor allem aber der Rahmenbau hervor. Der Blockbau (Massivholzbau) findet seine zeitgenössische Form im Brettstapel- oder Sperrholzbau.

Im Holzbau verlagert sich der Schwerpunkt von der Fügung einzelner Hölzer auf der Baustelle zur Fertigung ganzer Bauteile in der Werkstatt. Die Vorfertigung bringt einen Zugewinn an Auslastung, Präzision, Planungssicherheit und eine Verkürzung der Bauzeit. Das treibende Motiv der Rahmenbauweise war die Ausweitung der Wärmedämmung. Beim Massivbau sind es die Qualität des Werkstoffs Holz für die Statik, das Speichervermögen und die Behaglichkeit.

Noch immer sind Handwerker und mittelständische Holzbauunternehmen die entscheidende Kraft im Holzbau. Sie treiben die Innovationen voran, nehmen Risken auf sich und bilden den Think-Tank der Branche. Hochschulen partizipieren daran, systematisieren die Bauweisen und machen eine Lehre daraus.

Schnell und gut: Bauen mit Holz

Neben dem Ingenieursholzbau, der etwa bei Brücken- oder Hallenbau Grenzen sprengt, springen die Neuerungen beim Wohnungsbau ins Auge. Etwa bei der Energieeffizienz. Das Passivhaus ist heute kein technisches Problem mehr.

Ihm tritt das Massivholzhaus mit minimiertem Dämmstoffeinsatz und hoher Wohnqualität etwa der Salzburger Holzbaufirma Strasser in Lamprechtshausen zur Seite. Meiberger Holzhaus in Lofer experimentiert mit Mischformen unterschiedlicher Holzkonstruktionen in Vorfertigung und wurde für einen Sozialbau in Salzburg/Samermösl ausgezeichnet.

Neu ist auch die Möglichkeit, ein Holzbauwerk in kürzester Zeit aus vorgefertigten Elementen zu errichten. Mit solchen Verfahren konnten die Tiroler Firmen Schafferer Holzbau in Navis und Binderholz in Fügen rasch Katastrophenhilfe beim Erdbeben in L'Aqila leisten: 50 Prozent der Neubauten wurden in nur 80 Tagen aus Holz errichtet.

Der Vorarlberger Holzbaubetrieb Kaufmann in Reuthe hat den Boxenbau entwickelt: Dabei werden für identische Nutzungen komplett ausgestattete Räume gefertigt. Hotelbauten bis in höchste Kategorie, aber auch Sozialbauten werden so errichtet.

Hochhaus aus Holz

Das vorzügliche Verhältnis von Stabilität und Eigengewicht prädestiniert Holz besonders für Bauen im Bestand und bei der Sanierung. Hierbei kommen auch Bauteile als Massivplatten zum Einsatz, nicht zuletzt zum Brandschutz. Dieser hatte bislang dem Bau mehrgeschoßiger Gebäude aus Holz enge Grenzen gesetzt. Doch dank der neuen Technik dringt der Holzbau sogar in diesen Bereich vor - neunstöckige Wohnbauten gibt es bereits. Das Holzhochhaus ist keine Utopie mehr.

Seine energetische Effizienz und das Menschen zuträgliche Raumklima machen Holz auch zum geeigneten Material im Gewerbebau. Die oberösterreichische Firma Obermayr Holzkonstruktion in Schwanenstadt hat eine Halle im gedämmten Rahmenbau errichtet und dafür einen Architekturpreis erhalten.

Anleitung zum Holzbau

Damit Holz ein Baustoff mit Zukunft bleibt, braucht es entsprechende Bildungseinrichtungen, an denen seine Bedeutung gelehrt und entwickelt werden kann. Dem hat sich die Fachhochschule Salzburg mit dem Bereich Holztechnologie und Holzbau in Kuchl verschrieben. Die Studierenden erzählen begeistert, dass der Projektunterricht hier diesen Namen verdient. Er integriert alle Lehrinhalte, wird in enger Kooperation mit externen Partnern entwickelt und bringt konkrete, baubare Resultate.

Natürlich begeistert die Studierenden nicht jedes Projekt so wie etwa der Bau eines Kindergartens in Afrika - zweimal durchgeführt als Studienprojekt des Fachbereichs Holzbau.

Der Unterricht erfolgt in Klassen zu etwa 60 Studierenden und macht vier Fünftel des Stundenplans mit (eingeschränkter) Anwesenheitspflicht aus. Das restliche Fünftel gilt der Projektarbeit.

Dabei kommen auf einen Lehrer zehn Studierende. Gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen oder Institutionen erarbeiten die Studierenden Projekte, je nach Schwierigkeitsgrad auch mal über zwei Semester. Immer reichen sie von der Problemfindung bis zur professionellen Kommunikation der Ergebnisse. In den zehn Werkstätten werden die jungen Leute ebenso wie am Computer mit Methoden der Planung vertraut.

Nachhaltigkeit schlägt Stil

Der Bologna-Prozess ist auch an der FH Salzburg nicht spurlos vorübergegangen. Der Projektunterricht wurde aufgewertet, die internationale Mobilität intensiviert und die Wechselwirkung zwischen Lehre und Forschung ausgebaut. Manche Studierende beklagen die mit der Umstellung verbundene Verdichtung und das schlechtere Studenten-Lehrer-Verhältnis - wenngleich eingeräumt wird, dass dieses im Vergleich zu großen Unis traumhaft ist. Die stärkere Verschulung ist auch die Folge einer höheren Nachfrage - in den 15 Jahren der FH Salzburg hat sich die Studierendenzahl vervierfacht.

Die Unterrichtsform im Bereich Holztechnologie und Holzbau erinnert an einen der wichtigsten Impulsgeber für Lehre und Gestaltung: das Bauhaus. Wie dort wird im Bereich Holztechnologie und Holzbau der FH Salzburg dem Experiment große Bedeutung beigemessen. Der Stilbildung des Bauhauses begegnet man allerdings mit Skepsis. Und bei aller Innovationsfreude entscheidet über den Wert einer Idee, wie nachhaltig und zukunftsfähig im Sinn der Sicherung unserer Ressourcen sie ist.

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