Dermatologie

Hautkrebs nach Organtransplantation

Dieter Hönig | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

Ende Oktober 2010 findet im Billrothhaus Wien ein wissenschaftliches Symposium zum Thema "Die Dermatologie des organ-transplantierten Patienten" unter der Leitung von Univ. Prof. Alexandra Geusau, Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten, und Univ. Prof. Andreas Zuckermann, Abteilung für Herzchirurgie, statt.

Internationale Experten referieren über Hauterkrankungen wie den "hellen Hautkrebs", von denen organtransplantierte, immunsupprimierte Patienten betroffen sind.

Eggert Stockfleth von der Berliner Charité, Gründer eines 2002 ins Leben gerufenen Netzwerks europäischer Dermatologen, wird über die Epidemiologie von Hauttumoren und die therapeutische Herausforderung in diesem speziellen Szenario referieren, Ingo Nindl aus Berlin und Heidelberg die Rolle der humanen Papillomviren bei der Hauttumorentstehung beleuchten. Jan Nico Bouwes Bavinck aus Leiden, Edward Geissler aus Regensburg und Günther Hofbauer aus Zürich präsentieren neueste Daten zur immunsuppressiven Therapie.

Da die Zahl transplantierter Patienten und ihre Überlebensdauer steigt, gewinnt ihre dermatologische Betreuung zunehmend an Bedeutung.

Falter HEUREKA: Frau Geusau, warum haben Organtransplantierte häufiger Hauterkrankungen?

Alexandra Geusau: Der organtransplantierte Patient benötigt zum Erhalt seines Organs eine lebenslange immunsuppressive Therapie, also Medikamente, welche die körpereigene Abwehr unterdrücken, damit es zu keiner Abstoßungsreaktion des Organs kommt. Die Einnahme dieser immunschwächenden Medikamente führt aber auch zu einer Abnahme der Abwehrleistung des Körpers im Allgemeinen. Unter anderem kann sich die Haut nicht mehr so gut gegen Umwelteinflüsse wehren. Das kann zu Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren führen. Genetische Veränderungen in den Hautzellen, die durch die UV-Strahlung bedingt sind, können dann in der Folge nicht immer rechtzeitig erkannt und abgebaut werden.

Mit welchen Folgen?

Geusau: Die verminderte Erkennung und Reparatur von Erbgutveränderungen in den Hautzellen führt letztlich zur Entstehung von Hauttumoren. Organtransplantierte Patienten haben somit, verglichen mit der Normalbevölkerung, ein erhöhtes Risiko, am sogenannten hellen Hautkrebs zu erkranken. Dazu gehört in erster Linie das Plattenepithelkarzinom der Haut, Frühformen wie die aktinischen Keratosen und, wenn auch in geringerem Ausmaß, das Basalzellkarzinom.

Wie kann man dem vorbeugen?

Geusau: Maßnahme, die der Patient selbst treffen kann, ist täglicher Sonnenschutz. Man sollte Sonnencremes verwenden, die einen Lichtschutzfaktor von mindestens 25 haben. Alle exponierten Stellen am Kopf, Nacken, Ohren und Handrücken sind zu schützen, unter anderem auch durch das Tragen von Kleidung. Sonnenbaden und Solarium sollte überhaupt vermieden werden.

Welche Hautveränderungen infektiöser Natur treten sonst noch auf?

Geusau: Zu einer kosmetisch störenden Virusinfektion der Haut zählen Warzen, die sehr ausgedehnt auftreten können und schwerer zu behandeln sind als bei nicht Immungeschwächten. Infektionen durch Viren der Herpes-Virus-Gruppe spielen auch eine Rolle, meist im Sinne einer Reaktivierung. Das heißt, diese Viren, die meist in latentem Zustand vorhanden sind, können reaktiviert werden und zu Fieberblasen oder der sogenannten Gürtelrose führen.

Wie kann man die Haut schützen?

Geusau: Eine intakte Hautbarriere, die oberste Hautschicht, ist Voraussetzung, dass keine Infektionen an der Haut auftreten. Daher sollte die Haut geschützt werden, etwa durch Tragen von Handschuhen bei der Gartenarbeit. Chemische Reize und Austrocknung der Haut sollten ebenfalls vermieden werden. Der Patient sollte Wert auf entsprechende Hautpflege legen und die Haut mit Pflegecremen gut einfetten. Trockene Haut ist nämlich anfälliger für Infektionen, da sie kleine Epitheldefekte aufweist, über die Keime eintreten können.

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