Energie aus fetten Algen

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

LimnologieEin Projekt an der Uni Wien erforscht Möglichkeiten, wie man Algen bei der Energieerzeugung einsetzen kann

Die Energiefalle", "The Party's Over", "The Long Emergency", "Ölwechsel!" - die Titel aktueller Bücher zum Thema Erdöl umreißen die Misere: Neue Energiereserven müssen her! Doch die Biospritproduktion mit einem jährlichen Anstieg von 20 Prozent seit 2005, laut Worldwatch, hat Nachteile: Rohstoffe, die in den Tank kommen, fehlen in der Lebensmittelversorgung, außerdem werden Ökosysteme zerstört. Laut Global 2000 wurden in Afrika 4,5 Millionen Hektar an europäische Agrotreibstoffinvestoren verleast bzw. verkauft.

Bei dem seit 2008 laufenden Projekt "Bidial" (Uni Wien und BDI - BioEnergy International AG) werden Mikroalgen als Energieressource angezapft. Der wissenschaftliche Leiter, Michael Schagerl vom Department für Limnologie an der Universität Wien, erklärt: "Algen sind Minifabriken, die extrem rasch wachsen und verschiedenste Naturstoffe synthetisieren, die wir im täglichen Leben brauchen, z.B. das ß-Carotin, das wir in Kapseln einehmen; auch der Farbstoff Astaxanthin, der der Lachsforelle ihre Farbe verleiht, stammt von Algen."

Woher kommt die Energie? "Algen sind oft schwerer als Wasser. Um nahe der Wasseroberfläche am lebensnotwendigen Licht zu bleiben, produzieren sie Fett. Diese Fettsynthese kann man durch gezielte Kulturmethoden forcieren. In einem Veresterungsschritt werden die extrahierten Fette dann in Biodiesel umgewandelt."

Der Nachteil: Die aufwendige Fettsynthese verlangsamt das Wachstum der Algen. Knackpunkt ist ein ideales Verhältnis von Wachstum und Fettproduktion. "Wir vergleichen die Kosten von Algen, die rasch wachsen und weniger Öl produzieren mit solchen, die langsamer wachsen, aber mehr Öl produzieren", sagt Schagerl.

"Zementwerke sind große CO2-Emittenten. Wir haben auch erforscht, ob man Algen mit Abgasen aus der Kalkverbrennung füttern kann. Das hat gut funktioniert." BDI ist Spezialist für Technologien zur Verarbeitung von schwierigen Fetten und Ölen und forscht und entwickelt in diesem Bereich, um künftig Biodiesel auch aus Algen herstellen zu können. Energie aus Algen ist tatsächlich möglich. "Das Problem ist, dass Algenkultivierung Energie und Geld kostet. Solange es Erdöl gibt, wird dieses wohl die billigste Energieform bleiben", ist Professor Schagerl überzeugt.

Infos und Links

www.univie.ac.at/

phycology/team.html

www.bdi-bioenergy.com

www.worldwatch.org

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