Kommentar

Verglühte Birnen

Und langsam wird es heller

Claudia Stieglecker | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

Oben leuchten die Sterne und hier unten leuchtet seit 109 Jahren die langlebigste Glühbirne der Welt in einer Feuerwache in Livermore, Kalifornien. Das vier Watt starke "Centennial Light" spendet zwar wenig Licht, dafür aber mit einer Hartnäckigkeit, die ihresgleichen sucht.

Glühende Konkurrenz aus Europa hat die Rekordlampe aus den USA wohl nicht mehr zu befürchten. Die EU-Richtlinie 2005/32/E sorgt seit Herbst 2009 für die schrittweise Abschaffung der konventionellen Glühbirne.

Lampen mit mattiertem Glas und durchsichtige 100-Watt-Birnen sind bereits seit letztem Jahr verboten, heuer ging es im September der 75-Watt-Birne an den Kragen. In zwei Jahren erleuchten uns dann nur mehr Lichtquellen, die mindestens der Energieeffizienzklasse C angehören. Birnen mit Glühdraht sind ausschließlich in den Klassen D, E und F verfügbar.

Dafür stellt die EU die Energiesparlampe ins Rampenlicht. Mit einer im Vergleich zur Glühbirne durchschnittlich dreimal längeren Lebensdauer bei wesentlich weniger Stromverbrauch, gleicher Lichtleistung und wenig bis gar keiner Hitzeentwicklung. Um das zu erreichen, ist sie mit einem Glaskolben versehen, dessen quecksilberhaltiger Inhalt durch im Sockel integrierte Elektronik zum Leuchten gebracht wird.

Diese besondere Bauweise macht die Sparbirne energieeffizient. Andererseits ist sie aber auch Sondermüll.

Die Zeiten, in denen ausgebrannte Birnen einfach in den Hausmüll geworfen werden konnten, sind mit September 2012 vorbei. Energiesparlampen müssen separat gesammelt und dann einer Entsorgung oder Wiederverwertung zugeführt werden.

Dabei ist besonders wichtig, dass der Glaskolben nicht zerbricht. Sonst entweicht das hochgiftige Quecksilber in die Umwelt und kann nicht recycelt werden. Eine Herausforderung, nicht nur für den Endverbraucher.

Und nicht die einzige. Das kältere Licht der Energiesparlampe lässt gewohnte Farben anders erscheinen. Durch die erforderliche Aufwärmphase entfalten manche Energiesparlampen ihre volle Leuchtkraft erst nach mehreren Minuten. Dabei erzeugen sie elektromagnetische Störungen, vergleichbar etwa mit einem Computermonitor.

Aus heutiger Sicht hat die Technologie der Lichterzeugung noch einige Schatten zu vertreiben. Doch sie kommt voran.

Mit der LED ist jedenfalls schon die nächste Generation von Lampen am Start. Und was bleibt von der Glühbirne? Zumindest das "Centennial Light" brennt und brennt ?

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige