Hochschuldialog

Viel Geld für nichts?

Alexandra Aurelia Nemeth | aus HEUREKA 4/10 vom 20.10.2010

Der "Dialog Hochschulpartnerschaft" ist eine institutionalisierte Diskussionsplattform, in der "vieles schiefging", wie Kritiker sagen. Eingeleitet wurde der Dialog von Exwissenschaftsminister Johannes Hahn im November 2009, unter dem Druck der Studierendenproteste.

"Die Politik war in den Hochschuldialog von Anfang an integriert. Für sie bestand die Möglichkeit, mit den Vertretern des tertiären Sektors zu diskutieren. Das hat sie eindeutig verabsäumt", behaupten die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) und weitere Kritiker. Es gibt aber auch hoffnungsvollere Stimmen. "Die Ergebnisse des Hochschuldialogs sind zwar dürftig, aber einige Punkte sind positiv hervorzuheben. Wie etwa das Bekenntnis, zwei Prozent des BIP für den tertiären Bildungsbereich bereitzustellen", sagt Rektor Hans Sünkel, Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz Uniko.

Die Uniko hat sich, gemeinsam mit der ÖH, kurz vor Abschluss der Gespräche vom Dialog zurückgezogen. Die Gespräche seien nur "Geschwätz" und eine "Hinhaltetaktik" des Ministeriums gewesen. Und dennoch sieht selbst die ÖH die "breitere Finanzierung des Projekts Studien- und MaturantInnenberatung" durch das Ministerium positiv. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl hält den Dialog für "erfolgreich". "Erstmals in Österreich ist es gelungen, Vertreter aus allen Bereichen des Hochschulsystems an einen Tisch zu holen." Ein Anliegen der Ministerin: "Wir brauchen ab 2013 mindestens 250 Millionen Euro mehr für Universitäten pro Jahr." Auch will sie "konkrete Maßnahmen zur Ausweitung der Studienwahlberatung setzen und den Ausbau der Fachhochschulen vorantreiben".

Teilnehmer. Angespeist

Zu Beginn des Dialogs war von vier Dutzend Interessenvertretern an einem Tisch die Rede. Der Endbericht des Dialogs Hochschulpartnerschaft gibt etwa 40 Organisationen und Personengruppen als Teilnehmer an. Beispielsweise die Bundesarbeiterkammer, das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, die Industriellenvereinigung und zahlreiche Parteien.

Umverteilung. Gelungen

Fast eine Viertelmillion Euro hat das Wissenschaftsministerium für den Dialog Hochschulpartnerschaft ausgegeben. Der mit 146.296 Euro größte Brocken an den Gesamtausgaben von 247.341 Euro fiel für Konzeption, Begleitung und Moderation der fünf Arbeitsgruppen mit ihren über 250 Teilnehmern an. Der zweitgrößte Posten war Technik und Ausstattung bzw. Mieten von insgesamt 44.669 Euro. Knappe 30.000 Euro flossen in Zeitungsinserate, in denen der über acht Monate laufende Prozess beworben wurde.

Für inhaltlichen Input und Expertisen wurden 23.152 Euro ausgegeben. Also ein Zehntel des Gesamtbetrags. Für die Sicherheit - besonders zum Höhepunkt der Studentenproteste - 5688 Euro.

Das Ergebnis der Ausgaben von einer Viertelmillion Euro betrachtet Rektor Sünkel mit Skepsis: "250.000 Euro für 45 Seiten Papier mit Empfehlungen, die zu 95 Prozent aus Allgemeinplätzen bestehen, sprechen für sich. Gleichzeitig bedeutet die knappe Viertelmillion weniger für die Ausstattung der Hochschulen."

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