Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 5/10 vom 24.11.2010

Selig, heißt es in der Bibel, sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Und: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Der Himmel gehört also ganz den Armen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das freilich kein Trost, weil es nicht als gesichert gelten kann, dass dieses Himmelreich auch wirklich existiert. Sonst würde wohl das Streben nach Reichtum nur den härtesten Knochen verlockend erscheinen: maximal 90 Jahre Reichtum für eine Ewigkeit in der Hölle ?

Wäre dem tatsächlich so, würde Reichtum vermutlich vom Staat verboten werden. Ähnlich wie der Drogenkonsum, den der Staat ja auch nicht der Entscheidung des Einzelnen überlässt. Man kann doch niemandem gestatten, für den Kick des Reichtums sein ewiges Heil aufs Spiel zu setzen, oder?

Stellen wir uns einen Moment lang vor, die Staaten weltweit würden die Mittel für die Drogenbekämpfung zur Bekämpfung der Armut einsetzen. Geht offenbar nicht. Es freut uns, wenn ein Drogenbaron verhaftet wird - wenn ein "Dritte-Welt-Land" den Sprung aus der Armut schafft, kümmert uns das wenig. Armut ist so - armselig. Hat nichts Glamouröses. Was möchten Sie lieber sein (außer, was Sie eh sind)? Drogenbaron oder arm, for heaven's sake? heureka@falter.at

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