Science-Man knockt Historikerin aus

Christian Zillner | aus HEUREKA 5/10 vom 24.11.2010

Die Eingliederung außeruniversitärer Forschung in die Unis soll mehr Effizienz bringen

Iheard it through the grapevine. Not much longer would you be mine. Oh I heard it through the grapevine. Oh I'm just about to lose my mind - so klingt das Lied vom Ende der außeruniversitären Forschung, besser gesagt, vom Ende ihrer Basisfinanzierung, seit rund einem Jahr. Mancher hat es gehört, rockte da House damit, aber schließlich hat jedes Lied ein Ende. Diesmal freilich eines mit Schrecken.

Der Vorsitzende des Österreichischen Wissenschaftsrats Jürgen Mittelstraß lässt keinen Zweifel daran, dass es eine Empfehlung seiner Institution war, die meisten der außeruniversitären Forschungseinrichtungen nach einer unabhängigen Evaluierung ihrer Leistungen in die Universitäten einzugliedern. Er verwehrt sich freilich dagegen, dass dies aus rein budgetären Gründen geschieht.

Die Bereinigung des Feldes der außeruniversitären Forschung erinnert an die Rettung des Finanzmarkts: Da gibt es jene, to big to fail, wie die Österreichische Akademie der Wissenschaften, und ein Menge kleiner, die draufzahlen. Size matters, das gilt auch hier.

Hinter all dem steht der Wunsch, Wissenschaft müsste Vorteile für die nationale Wirtschaft erbringen. Arbeitsplätze für Wissenschaftler erscheint wohl als zu wenig. Und was soll schon eine Historikerin bringen, außer unangenehme Einsichten in die eigene Vergangenheit? Ein knallharter Science-Man hingegen befeuert die Zukunftsvorstellungen von Bildungsplanern. Seltsam nur, dass in Großbritannien, wo es praktisch keine außeruniversitäre Forschung gibt, die Science-Men in höherem Ausmaße arbeitslos sind als Historiker, wie der Vice-Chancellor der Uni London Geoffrey Crossick berichtet.

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