Eigentum und Wissen gegen Armut

Gunnar Heinsohn | aus HEUREKA 5/10 vom 24.11.2010

Südkorea ist ein Beispiel dafür, wie eine Nation aus der Armut kommt. Ghana fehlt es an Bildung

Wer kein Lohngeld mehr bekommt und dann kein Eigentum für Kredit verpfänden oder gegen Geld verkaufen kann, ist arm. In über 30 der rund 200 Nationen weltweit erhält dieser Bedauernswerte Sozialhilfe. Seine Regierung zwingt also die Nachbarn, ihn während der Notlage aus Steuern zu finanzieren. Das vermag sie, weil sie einer Gesellschaft mit Eigentumsverfassung vorsteht, ihre Bürger also nicht auf Besitz reduziert sind. Deshalb können sie Kreditverträge abschließen, für deren Erfüllung sie wachsend wirtschaften müssen. Dabei blockieren die einen zeitweilig ihr Eigentum - für diesen Verlust an Verwendungsfreiheit verlangen sie Zins -, um damit Geld zu besichern. Ein Schuldner muss ebenfalls Eigentum zeitweilig unfrei machen, weil er es als Pfand für die Besicherung des Kredits einsetzt.

Wie es in den Eigentumsgesellschaften Arme gibt, können auch ganze Nationen bedürftig sein, weil sie nur gering "vereigentümert" sind. Das beschränkt ihre Möglichkeiten, Geldschulden zu generieren und für das Erwirtschaften der dafür fälligen Zinsen zu wachsen. Dabei geht es global um rund 150 Länder. Nach OECD-Angaben flossen zwischen 1970 und 2010 allein nach Subsahara-Afrika 600 Milliarden US-Dollar. Dennoch liegen nach Auskunft der World Trade Organisation WTO die Exporterlöse südlich der Sahara mit jetzt 800 Millionen Menschen im Jahre 2009 um zehn Prozent unter denen von 1974. Für die gesamte Welt hingegen schnellt der Handel pro Kopf zwischen 1955 und 2005 um den Faktor 10 nach oben.

An diesem Aufschwung partizipieren Länder wie Taiwan, wo 1953 Tschiang Kai-Schek die Umwandlung des Bodens zu Vermögen mit Besitz- und Eigentumsseite in Gang bringt. Von weniger als 1000 Dollar schuldet und arbeitet sich das Land bis 2009 auf ein Pro-Kopf-Einkommen von 28.000 Dollar hoch. Der Insel helfen also keine Barüberweisungen, sondern Gesetze, das Einrichten von Katastern und der Aufbau einer Justiz.

Doch leisten selbst bei gleicher Eigentumsstruktur zwei Länder nicht automatisch gleich viel. Südkorea beginnt 1949 unter Sygman Rhee seine Bodenreform und steigert bis 1959 den Anteil verpfändbarer, weil mit Eigentumstiteln versehener Liegenschaften von 14 auf 93 Prozent. Chinas Schanghai erzeugt seinen Boom mit einer Wiederholung dieses Vorgangs in den 1990er-Jahren. Nordkorea hingegen bleibt ohne Eigentum und steht heute bei 1800 US-Dollar Pro-Kopf-Einkommen.

Bis 1970 ziehen die Koreaner mit Ghana gleich, das mit einer britischen Eigentumsverfassung prunken kann. Doch 2009 steht es zwischen beiden Ländern nicht mehr 1:1, sondern 18:1 für die Asiaten. Ghana schafft nicht einmal die Leistung der eigentumslosen Nordkoreaner. Hat das etwas mit Qualifikation zu tun?

In der Tat entfaltet Südkorea eine ganz andere Wissensdynamik als Ghana. Das ist schon daran ablesbar, dass 90 Prozent über einen Internetbreitbandanschluss verfügen. Korea liegt 2009 bei der Akademikerquote der 25- bis 34-Jährigen mit 55,5 Prozent hinter Kanada (55,8%) global auf dem zweiten Rang.

Wie kann einem kürzlich noch bettelarmen Bauernland so etwas gelingen? Es hat sehr viel mit den verfügbaren Köpfen zu tun. Südkorea erreichte bei der Mathematikolympiade 2007 TIMSS für Schüler der achten Klasse hinter Taiwan und vor Singapur Rang zwei - Ghana wird unter 49 teilnehmenden Nationen 47. Wo Eigentumsstrukturen und Matheasse ausbleiben, muss man auch 2015 wieder auf Barüberweisungen hoffen.

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