Mikrokredite - Lösung oder Hemmschuh?

aus HEUREKA 5/10 vom 24.11.2010

2006 erhielt der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus für das Mikrofinanzsystem den Friedensnobelpreis. Mikrokredite sind ein wichtiges Instrument der Entwicklungspolitik, haben aber Nachteile.

"Das System basiert auf der Annahme, Armut liegt nur an nichtverfügbarer Liquidität", meint Karin Küblböck von der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung. Aber nicht alle Armen seien Unternehmer. "Eigentlich sind das oft Scheinunternehmer - die dann alle dasselbe verkaufen. Durch Mikrokredite wurde viel erreicht, aber eine systematische Entwicklungsstrategie können sie nicht ersetzen."

Dass sich die Banken in den letzten Jahrzehnten zusehends weg von der Finanzierungsfunktion in Richtung Handel mit Finanzprodukten entwickelt haben, spüren die Menschen in den Entwicklungsländern besonders: "Seit die Immobilienblase geplatzt ist, fließt alles Geld in die Rohstoffmärkte. Zurzeit wird massiv in Mais, Weizen und Reis investiert. Die Preise sind explodiert, dadurch wurde viel Hunger erzeugt." Armut hänge unter anderem auch von der Verteilung von Land ab: "100 US-Dollar zu haben heißt noch nicht, sie auch produktiv verwenden zu können."

Auch die Zinsen seien mitunter gar nicht so niedrig. Was ist dann der Unterschied zum "normalen" Kredit? "Man braucht weniger Sicherheiten, um Geld zu erhalten", erklärt die Volkswirtin Küblböck.

Einige private Mikrofinanzierer sind jedenfalls mittlerweile schon so groß geworden, dass sie in den jeweiligen Ländern an der Börse notieren.

Infos und Quellen:

Niall Ferguson: Der Aufstieg des Geldes. Die Währung der Geschichte. Berlin 2009

Arthur Schlesinger jr.: The Age of Jackson. Boston 1947

Charles Sellers/Henry May: A Synopsis of American History. Chicago 1963

Wikipedia.

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