Soziologie

Werde du erst einmal groß! Körpergröße und gesellschaftliche Erfolgsaussichten

Martina Weinbacher | aus HEUREKA 1/11 vom 13.04.2011

Dass Körpergröße und Erfolg positiv miteinander korrelieren, davon ist der Kulturtheoretiker Gerhard Fröhlich, Professor an der Johannes-Kepler-Universität Linz, überzeugt. Große Menschen hätten es in unserer Gesellschaft leichter. Sie verfügten meist über ein höheres Einkommen und könnten einen gesellschaftlich höheren Status einfacher erreichen als ihre kleineren Mitmenschen.

Demzufolge lautet die Gretchenfrage wohl, wovon das Längenwachstum abhängig ist und wie es sich beeinflussen lässt.

Laut Fröhlich ist die Größe eine Umweltvariable: "Gene sind an sich irrelevant. Wirkmächtig werden sie erst, wenn sie aufgrund von Umwelteinflüssen eingeschaltet werden.“

Das sieht Gernot Faustmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Karl-Franzens-Universität Graz, anders. Der Forscher verweist auf Zwillingsstudien, aus denen die genetische Prädisposition als wichtigste Einflussgröße für das Wachstum hervorgeht.

Dennoch, fügt Faustmann hinzu, wird die Körpergröße auch zu 20 bis 40 Prozent von Umweltfaktoren mitbestimmt. "Umweltfaktoren wirken sich besonders während der frühen Kindheit aus. In mittellosen Gesellschaften, die vermehrt von schlechter Ernährung, Krankheit und psychosozialem Stress betroffen sind, ist der Einfluss der Umweltfaktoren auf das Wachstumspotential äußerst stark.“

Interessant ist, dass auch sozialpolitische Umstände die Körpergröße negativ beeinflussen könnten. Daten der amerikanischen NHANES (National Health and Nutrition Examination Surveys) zufolge stagniert das Längenwachstum in den USA seit den 70er-Jahren. Als wesentlicher Faktor für die Stagnation wird das soziale Ungleichgewicht diskutiert.

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