Freihandbibliothek

Buchtipps von Emily Walton

aus HEUREKA 1/11 vom 13.04.2011

Heimatlosigkeit als Chance

Kommunikations- und Wissenschaftsphilosoph Vilem Flusser sieht in der Migration eine Chance für Kreativität. Über seine Ansichten schreibt er in "Von der Freiheit des Migranten“ - ein Standardwerk des Wissenschaftlers. Flusser hat selbst Erfahrungen des Vertriebenseins und der Heimatlosigkeit gemacht und diese Zeit als Chance für geistige Vielheit begriffen. Mit diesem Werk will er zu einer neuen Denkart in der Migrationsdebatte anregen.

Vilem Flusser. Von der Freiheit des Migranten - Einsprüche gegen den Nationalismus. Europäische Verlagsanstalt. 142 Seiten

Alpenrepublik als Migrationsland

Österreich ist seit 1945 ein Einwanderungs-, Transit- und Auswanderungsland. Selten wird diese Tatsache aber von den Einheimischen so wahrgenommen. Die Folge: Widersprüchliche Migrations- und Integrationspolitiken führen dazu, dass die Gesellschaft zwischen Aufnahmebereitschaft und scharfer Abwehr schwankt. Autor Andreas Weigl gibt in seinem Buch einen umfassenden Überblick über die Migrationsgeschichte in der Zweiten Republik.

Andreas Weigl. Migration und Integration

(Österreich - Zweite Republik. Befund, Kritik, Perspektive). Studienverlag. 120 Seiten

Fremde und Fachkräfte für die Wirtschaft

Migration wird häufig als Problem dargestellt - und leider nicht als Chance. Nigel Harris, Professor an der London University, betont in seinem Buch "The New Untouchables“, dass wir umdenken müssen: Mobilität und Migrationsprozesse sind essenziell für den Fortschritt. Harris setzt sich mit globalen Migrationsprozessen auseinander und zeigt, welche Rolle sie für ökonomischen Wandel und Wachstum spielen. Eine wissenschaftliche Abhandlung, die auch für Laien interessant ist.

Nigel Harris. The New Untouchables: Immigration and the New World Worker. Penguin. 272 Seiten

Geschichte einer Einwanderung

Die in Wien lebende Autorin Julya Rabinowich erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, die in den 70er-Jahren Russland in Richtung Österreich verlässt. Ein Roman über Zersplitterung, Entwurzelung, Identität und Neudefinition. Der Leser verfolgt die Entwicklung der Ich-Erzählerin - von kommunistischen Kinderjahren in Leningrad (St. Petersburg) bis hin zum Wien der Gegenwart. Ein Buch über das Ankommen. Lesenswert vor allem wegen der berührenden, bildhaften Sprache.

Julya Rabinowich. Spaltkopf. Zsolnay Verlag. 188 Seiten

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