Was am Ende bleibt

Small is beautiful

Erich Klein | aus HEUREKA 1/11 vom 13.04.2011

Es gibt Themen, die man besser meidet - Helden etwa in einem Atemzug mit Opfern. Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind das jene Männer, die zu retten versuchen, was noch zu retten ist. Dass sie aufgrund der hohen Verstrahlung sterben, scheint sicher; unklar ist hingegen, was sie zu ihrem Handeln motiviert.

Altruismus, eine der wesentlichen Grundlagen jeder Gesellschaft, steht nicht hoch im Kurs. Menschen, die ihr Leben opfern, sind in säkularen Öffentlichkeiten ein Tabu. Schließlich haben wir Aufgeklärten aus der Geschichte gelernt: Helden - welche Helden? Manager! Ästheten! Therapeuten! Hier endet auch die kritische Berichterstattung.

An der Welt der Dachgärten huscht dennoch eine kurze Erinnerung an Atombunker und die Welt vor 1989 vorbei. Kritiker sprechen gar von "Angstlust“.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Logik der Abschreckung schien auch die ursächliche Verbindung von Atomwaffen und friedlicher Nutzung der Atomkraft außer Kraft gesetzt. Der Reaktorunfall von Tschernobyl, der nicht wenig zum Ende der Sowjetunion beigetragen hatte, wurde zum Epochenwandel erklärt - um in Vergessenheit zu geraten. Der oft gefilmte Sarkophag ist ein gruseliges Denkmal des untergegangenen Kommunismus - Armageddon hat nicht stattgefunden! Dass auch die russischen und ukrainischen "Liquidatoren“ vergessen wurden, steht auf demselben Blatt.

Was folgte, war eine kleine Zeit, die man gekannt haben mochte, als sie noch groß war. Ach ja - small is beautiful. Es verschwand - nicht die Geschichte, aber die Hysterie jener Zeit, in der der deutsche Wald bald sterben sollte. Umweltschäden des Golfkrieges? Kollateral!

Seien wir ehrlich: Die Verschmutzung von Boden, Luft oder Wasser wurde nicht durch Demonstrationen beendet, sondern durch die Anforderungen des Tourismus. Was nach dem Mauerfall als "Klimawandel“ wiederkehrt, entbehrt des apokalyptischen Potenzials von damals. Wer über einen Strahlenschutzkeller verfügt, hat längst vergessen, dass er mit Gerümpel vollgestellt ist. In den Biomarkt geht der, dessen Börse es erlaubt. Wer einst für die Umwelt kämpfte, schreibt heute bestenfalls Umweltgeschichte. Und schien es nicht tatsächlich so, als sei der CO2-Ausstoß das größere Übel und das AKW die bessere Lösung? Wie üblich, haben es alle immer schon gewusst …

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