Hirnforschung

Die Zukunft der Gesundheit: Elektronik statt Biochemie, sagt der Cyborg Warwick

Xaver Forthuber | aus HEUREKA 2/11 vom 25.05.2011

Das "Surprise Factors“-Symposium, das Mitte April von der oberösterreichischen Zukunftsforschungs-Gesellschaft Academia Superior in Gmunden veranstaltet wurde, machte seinem Namen Ehre: mit einem Cyborg auf der Rednerliste. Der britische Kybernetik-Professor Kevin Warwick macht seit den Neunzigerjahren Selbstversuche mit Mikrochips, die sein Nervensystem direkt mit Computern verbinden und ihn etwa schon Roboter via Gedanken steuern ließen.

Elektronik, nicht Pharmakologie wird laut Warwick die Medizinforschung der Zukunft bestimmen. Während Medikamente ihre Wirkung nach dem Gießkannenprinzip im Körper entfalten, könnte mithilfe von Nanosonden gezielt das betroffene Areal behandelt werden - etwa bei Erkrankungen des Nervensystems.

Siegfried Kasper, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie, hält es für unpraktikabel, komplexe Körperfunktionen wie einen Computer umzuprogrammieren. "Wenn man das Gehirn mit Fremdreizen ärgert, reagiert es sehr schnell unkontrollierbar“ - etwa mit epileptischen Anfällen.

Kevin Warwick sieht indessen viele Bereiche, wo elektromechanische Prothesen die Natur sogar übertreffen könnten. Anstatt nur zu heilen, würde die Medizin der Zukunft den Menschen "verbessern“ können.

"Technologische Unterstützung des Körpers ist längst Realität - vom Herzschrittmacher bis zum Hörgerät“, sagt dazu der Genetiker Markus Hengstschläger, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats von Academia Superior. Was über die Behandlung von Defiziten hinausgehe, sei aber Doping, nicht Medizin. "Selbst wenn wir Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten ausstatten könnten - wer wären diese Übermenschen? Die, die es sich leisten können?“

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