Geschichte

Mit Löwenherz in unsere Vergangenheit: Mittelalterforschung als Korrektiv unseres Geschichtsbildes

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 2/11 vom 25.05.2011

Der Wiener Historiker Walter Pohl, Spezialist für frühes Mittelalter, ist Träger des mit zwei Millionen Euro dotierten "ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrates 2010.

"Das ist erfreulich, denn der Zeitgeist spricht gegen die Geisteswissenschaften“, sagt Pohl. Deren kritischer Blick auf die Gesellschaft werde zu wenig gewürdigt. Das Preisgeld ist bereits verplant: "Damit werden drei Postdocs und zwei DoktorandInnen finanziert - die können dann sorgenfrei fünf Jahre lang forschen.“

Balance von Vertrautheit und Fremdheit: Was ist das Faszinierende am Mittelalter? "Es hat die richtige Balance von Vertrautheit und Fremdheit - das hilft, die Gegenwart besser zu verstehen!“ Oft aber werde es unterschätzt: "Es war nicht die dunkle Zeit!“

Pohls Hauptthema ist die Erforschung ethnischer und nationaler Identität. "Auf die Frage, wie heute ein so grober Chauvinismus möglich ist, suche ich Antworten in der Geschichte.“ Etwa mit dem Projekt, Visions of Community: Comparative Approaches to Ethnicity, Region and Empire in Christianity, Islam and Buddhism (400-1600 CE)‘, das der FWF als Spezialforschungsbereich genehmigt hat.

Das Interesse am Mittelalter boomt auch bei uns vor allem auf dem Unterhaltungssektor - nicht immer zur Freude der Mediävisten. So habe bei einer Umfrage die Mehrheit der Befragten Richard Löwenherz für eine erfundene Figur, Sagenkönig Artus aber für eine historische gehalten. Walter Pohl: "Man darf die Vergangenheit nicht der Infotainmentindustrie überlassen!“

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