Scientific Networking: Ressourcen sparen im Labor

Sonja Burger | aus HEUREKA 2/11 vom 25.05.2011

Fast eine Million Wissenschafter weltweit nutzen die Onlineplattform ResearchGate als "Facebook“ für Forscher

Man braucht nur ein paar Mausklicks, um sich Unmengen an Informationen zu beschaffen. Beim Social Networking kann man mit Gott und der Welt kommunizieren - das ist mittlerweile privater wie beruflicher Alltag. Und bei aller Kritik: Es ist eben praktisch und - zumindest wenn man die Spreu vom Weizen zu trennen weiß - effizient.

Die Vorteile von Web-2.0-Applikationen will sich, zugeschnitten auf seine Bedürfnisse, auch das ResearchGate zunutze machen. Die Vision dieser Onlineplattform für Wissenschafter nennt sich Science 2.0. Es läuft im Wesentlichen darauf hinaus, dass man Forschungsprozesse durch Scientific Networking und den damit verbundenen Erfahrungs- und Informationsaustausch effizienter machen könnte.

Das Konzept scheint zu funktionieren: Seit der Virologe Ijad Madisch die Plattform 2008 in Berlin gegründet hat, haben sich über 900.000 Forscher aus 192 Ländern und allen Disziplinen registriert. "Cooperate or die“, nennt der Mikrobiologe Johannes Grillari einen der Gründe für den Erfolg von ResearchGate. Wer wie der Experte für Biogerontologie in hochkompetitiven Bereichen forsche, müsse heutzutage einfach kooperieren. "Ab einem gewissen Spezialisierungsgrad können einzelne Labors im Normalfall nicht mehr alles abdecken“, erklärt er. "Also sucht man sich Leute, die komplementäre Expertisen haben. Und so entsteht neues Wissen.“

Nicht umsonst wird ResearchGate auch "Facebook für Wissenschafter“ genannt.Die Kontaktaufnahme und der Erfahrungsaustausch funktionieren ähnlich: Es gibt Mitglieder-Profile, Diskussionsforen und eine Datenbank mit mehr als 30 Millionen Einträgen, die Artikel aus Fachzeitschriften bündelt. Dazu kann man gezielt nach Kollegen suchen, die an ähnlichen Themen forschen.

Für die Qualität und Unabhängigkeit der Plattform stehen hochkarätige nationale Advisory Boards. Grillari, Professor an der BOKU Wien und Betreiber der Biotechnologiefirma Evercyte, ist einer der drei österreichischen Senior Advisors. "Das System ist schon relativ transparent“, findet er. "Anhand der verlinkten Publikationen sieht man gleich, was jemand macht.“

Besonders der Troubleshooting-Austausch sei für viele interessant: "Das Beschreiben fehlgeschlagener Versuche erspart Netzwerkpartnern leere Kilometer.“ Und damit natürlich auch Arbeitskraft und Material. "Experimente kosten ja etwas“, sagt der Spezialist für Zellalterung. "Und neben geistigen Ressourcen geht es dabei natürlich auch ums Geld. So ein Austausch ist praktisch eine Gesamtressourcenoptimierung.“

Gelegentlich flattern dem Biogeronto-logen Jobbewerbungen über das ResearchGate ins Haus. "Manche Forscher, vor allem aus Schwellenländern, benützen die Plattform als Sprungbrett bei der Arbeitssuche.“ Auch die Demokratisierung von Wissen und das Zugänglichmachen von Ressourcen in Ländern, in denen es Forscher in dieser Hinsicht nicht leicht haben, sind Grundsätze von ResearchGate.

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