Studienpläne

Die Zukunft der Buchwissenschaften?

Katharina Fritsch | aus HEUREKA 2/11 vom 25.05.2011

Der Studiengang Internationale Entwicklung (IE) soll von Masse auf Elite umgestellt werden - ein Prototyp?

In den späten 1970er-Jahren wollte die ÖH eine intensivere Auseinandersetzung mit Entwicklungsländern an heimischen Unis. Im Rahmen des Wahlfachs "Internationale Entwicklung“ (IE) war dies an der Uni Wien ab 1998/99 möglich. 2002 erreichte IE Projektstatus. Es kam zur Einführung des Individuellen Diplomstudiums "Internationale Entwicklung“.

Die Situation des Projekts gestaltete sich höchst prekär: kurzfristige Arbeitsverträge, fehlende Räumlichkeiten und eine überlastete administrative Arbeitskraft. 2007/08 schlossen sich einige IE-Studierende aus dem Umfeld der Studienvertretung Basisgruppe IE zusammen, um Proteste und das "Widerstandscafé“ zu organisieren. Ihre Forderungen bekamen im Rahmen der Studentenproteste 2009 eine gesamtuniversitäre Dimension.

Anfang 2010 wurde IE als interfakultäre Forschungs- und Lehrplattform institutionalisiert. Der Fokus des Studiums liegt auf einer Verbindung von politik-, kultur- und geowissenschaftlichen sowie soziologischen und wirtschaftlichen Ansätzen zur Erforschung des Phänomens "Entwicklung“.

Nach jahrelangen Kämpfen mit dem Rektorat der Uni Wien schien die Zukunft der IE mit der Einführung des Masterstudiums mit Wintersemester 2011 gesichert. Nun wurde seine Einführung "voraussichtlich“ auf Herbst 2012/13 verschoben. Eine Übergangslösung im Sinne eines "Individuellen Masterstudiums“ ist geplant.

Die Vize-Studienprogrammleiterin Margarete Grandner befürchtet, "dass das ein österreichisches Dauerprovisorium wird. Es ist auch ganz leicht, einen Individuellen Master abzustellen.“ Damit sei die IE gefährdet. Außerdem werden vom Rektorat Veränderungen im Studienplan gefordert. Auch war schon von einem englischsprachigen, zugangsbeschränkten Master die Rede. Damit würde die IE von einem Massenstudium mit 3000 Studierenden zu einem Elite-Studium. Aus Protest haben Studierende und Lehrende der IE am 13. April einen Aktionstag veranstaltet.

Die Entwicklungen auf der IE können in einen breiteren Kontext des Umbaus auf den österreichischen Unis gesehen werden. Das Wissenschaftsministerium legt den Fokus verstärkt auf MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Sie sind laut neoliberaler Marktlogik zukunftsträchtig.

Im Gegensatz dazu sollen Buchwissenschaften wie die IE zugangsbeschränkt werden. Durch Knock-Out-Prüfungen in den Studieneingangs- und Orientierungsphasen (STEOP), die im kommendem Wintersemester auch für die IE eingeführt werden, sollen Studierende in jene Studiengänge gelenkt werden, die "marktkonform“ sind. Laut dem Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle ist die STEOP "ein wichtiger Schritt für mehr Planbarkeit, raschere Klarheit und mehr Qualität für die Studierenden und die Lehrenden“.

Folge solcher "Qualitäts“-Maßnahmen ist jedoch, dass Studien wie die IE der Marktlogik unterworfen und in beschränkte Studiengänge umgewandelt werden.

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