Medizin

Sonja Dries | aus HEUREKA 3/11 vom 22.06.2011

Vor 25 Jahren wurde in Wien das erste künstliche Herz implantiert - das erste in Europa

Im Mai 1986 wurde an der 2. Wiener Chirurgischen Universitätsklinik das erste New Vienna Heart eingesetzt. Das nach langer Forschung im damaligen Ludwig-Boltzmann-Institut entwickelte Kunstherz wurde bei einem Patienten als Totalersatz anstelle des Herzens implantiert. In Europa war es die erste erfolgreiche Überbrückung bis zu einer Transplantation.

Fast auf den Tag genau 25 Jahre später wurde einem zehn Wochen alten Baby im Wiener AKH ein Kunstherz eingesetzt. Das Mädchen, das an einem schweren Herzfehler leidet, wurde mit Kreislaufstillstand eingeliefert. Durch die erfolgreiche Implantation retteten die Ärzte sein Leben.

"Ein Kunstherz wird wie ein Turbolader in den linken Ventrikel des geschwächten Herzens eingesetzt und übernimmt den Großteil der Pumpleistung. Das unterstützte Herz und der gesamte Organismus können sich so wieder erholen“, erklärt Georg Wieselthaler, Chirurg und Klinischer Leiter des Kunstherzprogramms der MedUni Wien.

Vor allem Patienten, die einen schweren Herzinfarkt erlitten haben oder an einer Herzmuskelschwäche leiden, kommen für die Anwendung des Kunstherzens in Frage. Mit mehr als zehn Millionen Betroffenen ist die Herzinsuffizienz eine der häufigsten internistischen Krankheiten Europas. Selbst alltägliche Tätigkeiten werden für die Betroffenen zu einer kaum bewältigbaren Anstrengung.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten aus Kardiologie, Chirurgie und Physik wurden Rotationspumpen entwickelt, die trotz einer extremen Leistung immer noch schonend im menschlichen Körper arbeiten. Die Überlebenschancen mit Kunstherz von über zwei Jahren liegen beim Kunstherzprogramm an der MedUni Wien bei 85 Prozent.

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