Mathematik

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/11 vom 22.06.2011

Die Musik und die Mathematik: Sound-Objects - die Zahlen hinter den Klängen

Schon als kleines Mädchen habe sie sich gefragt, was in der Musik eigentlich vorgeht, sagt Monika Dörfler. Heute hat sie - nach einem Musik- und Mathematikstudium - ihre beiden Leidenschaften verbunden und zu ihrem wissenschaftlichen Schwerpunkt gemacht: der angewandten harmonischen Signalanalyse.

Die 37-Jährige leitet an der Fakultät für Mathematik der Uni Wien ein internationales Team aus Mathematikern und Musikwissenschaftern. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Klangsequenzen mithilfe mathematischer Algorithmen zu identifizieren und direkt aus der Zeit-Frequenz-Ebene zu extrahieren. Daraus könnten sich neue Möglichkeiten zur Klangmodellierung ergeben. Das Forschungsprojekt "Audiominer - Mathematical Signal Analysis and Modeling for Manipulation of Sound Objects“ wird vom WWTF gefördert.

"Was wir momentan machen, ist Grundlagenforschung“, stellt Dörfler klar. "Zunächst gilt es, jede Menge Fragen zu klären.“ Etwa wie ein Klang-objekt genau definiert werden soll, welche menschlichen Hörerfahrungen zu berücksichtigen sind und was man alles damit machen kann. Nicht zu vergessen die mathematischen Aspekte, um das Ganze zu bewerkstelligen. "Ich finde es spannend, dass wir uns hier teilweise auf noch unbearbeitetem Terrain bewegen“, sagt die Mathematikerin.

Dörfler hat - nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Komponisten - eine klare Vorstellung davon, wo es hingehen soll. "Unsere Vision ist, die Sound-Objects aus einem Signal auszuschneiden, sie zu verändern und dann wieder in den Soundstream zurückzuschicken.“ In der elektroakustischen Musik würde das neue Improvisationsmöglichkeiten bieten.

Musik und Mathematik ziehen sich wie ein roter Faden durch Dörflers Leben. Als Jazzpianistin ist sie immer wieder einmal auf dem Konzertpodium anzutreffen und auf drei CDs vertreten. "Beide Disziplinen sind geprägt von einer hohen Kreativität und der Möglichkeit, neue Dinge zu schaffen“, begründet sie ihre Motivation, gerade an dieser Schnittstelle zu forschen.

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