Was tut Wissenschaft für uns?

Carolin Giermindl | aus HEUREKA 3/11 vom 22.06.2011

Der Countdown zum Thema

10.000.000 Menschen in Europa sind blind oder sehbehindert. In Österreich gibt es 318.000 Menschen mit dauerhafter Sehbeeinträchtigung.

800.000 Menschen in Österreich leben mit einer Beeinträchtigung ihrer Lebensvollzüge.

24.000 Frauen, Männer, Kinder sitzen im Rollstuhl. EU-weit sind 6,5 Millionen Menschen auf einen Rollstuhl angewiesen.

23.000 der Pflegegeldbezieher in Privathaushalten sind armutsgefährdet.

19.000 Menschen mit besonderen Bedürfnissen gelten als erwerbsunfähig. Sie sind von allen arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen ausgeschlossen.

17.561 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst hat das Land Tirol. 702 Menschen mit besonderen Bedürfnissen müssten laut Gleichstellungspflicht angestellt sein. Tirol beschäftigt 349.

9114 Personen arbeiten im öffentlichen Dienst des Landes Vorarlberg. 364 Menschen mit besonderen Bedürfnissen müssten aufgenommen werden. Das Ländle beschäftigt 205.

9100 Menschen in Österreich sind vollkommen gehörlos. 10.000 bis 15.000 sind hochgradig schwerhörig. Die Muttersprache gehörloser Menschen ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS). Deutsch ist für sie Zweit- bzw. Fremdsprache.

9000 Menschen in Österreich leben mit einem Down-Syndrom. Der Spanier Pablo Pineda hat als erster Europäer mit Down-Syndrom (Trisomie 21) ein Uni-Diplom und unterrichtet als Lehrer. Er war übrigens nie in einer Sonderschule (siehe Beitrag auf Seite 10).

3660 Titel umfasst der Gesamtbestand der einzigen Hörbibliothek für blinde Menschen in Österreich. Diese Hörbücher wurden im letzten Jahr 50.000 Mal, meist per Versand, verliehen.

2270 Menschen mit besonderen Bedürfnissen muss das Land Steiermark laut Gleichstellungsgesetz beschäftigen. Im öffentlichen Dienst arbeiten 3206 Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Steiermark, gefolgt von Kärnten, ist in Österreich Rekordhalter in Sachen Gleichstellung.

2020 soll der Zugang zu allen öffentlichen Gebäuden barrierefrei sein. Ursprünglich war 2016 als Stichjahr geplant.

2011 konnten sehbehinderte und blinde Studierende zum ersten Mal bei den ÖH-Wahlen von ihrem geheimen Wahlrecht Gebrauch machen. Mittels Wahlschablone. Bislang mussten sie eine Vertrauensperson einweihen.

2008 hat Österreich die UN-Konvention für Menschen mit besonderen Bedürfnissen unterzeichnet. Diese garantiert ihnen rechtlich eine gleichberechtigte Teilnahme an der Gesellschaft.

1200 Personen haben sich 2010 hilfesuchend an die "Behinderten“-Anwaltschaft gewendet. Hauptanliegen: Gleichstellungsfragen, Bildungsthemen, Arbeitsmarkt und finanzielle Unterstützung.

144 Sportler und Sportlerinnen vertreten Österreich bei den Special Olympics Sommerspielen in Athen. An der Olympiade für Menschen mit kognitiver "Behinderung“ nehmen 7500 Menschen aus 185 Nationen teil.

72 Prozent aller 70- bis 79-jährigen sind körperlich gehandicapt. Die meisten davon chronisch.

54,8 Prozent aller Studierenden mit besonderen Bedürfnissen gaben in einer Studierenden-Sozialerhebung an, erschwert Zugang zu Information zu haben.

44,3 Prozent aller Studierenden mit besonderen Bedürfnissen beklagen mangelnde Rücksichtnahme durch Lehrende.

38 Prozent der Menschen mit besonderen Bedürfnissen absolvieren maximal eine Pflichtschule, 10 Prozent haben einen Matura-Abschluss.

30 bis 40 Blindenhunde sind derzeit österreichweit im Einsatz. Ein ausgebildeter Blindenhund kostet etwa 30.000 Euro.

16 Prozent der Frauen mit besonderen Bedürfnissen zwischen 16 und 64 Jahren sind manifest arm.

12 Prozent der Menschen mit besonderen Bedürfnissen leben in feuchten Wohnungen.

7 Politikerinnen weltweit sind gehörlos. In Österreich gibt es eine davon: Helene Jarmer, Abgeordnete der Grünen, ist seit 2009 im Parlament.

1 einzige Bücherei in Österreich, jene im Bundes-Blindeninstitut Wien, verleiht Bücher in der Braille-Schrift.

0,7 Prozent aller Filme im Österreichischen Fernsehen können über Zweikanalton und Audio-Deskription von Blinden und hochgradig Sehgeschädigten konsumiert werden.

Nicole, 16 Jahre

"Die Schiene stabilisiert meine Hand, weil sie nicht so stark ist wie die andere. Die Farbe habe ich mir selbst ausgesucht. Jetzt muss immer was Pinkes in meinem Outfit vorkommen, damit das gut zusammen aussieht.“

Nicole hört gerne Musik und am liebsten Katy Perry. Im Februar war sie sogar bei einem ihrer Konzerte und ganz begeistert. Besonders das coole Styling und die Perücken haben es Nicole angetan.

Zu den Fotos

"Ich bin ein Lehrerkind“, sagt die Fotografin Karin Wasner. "Mein ganzes Leben habe ich meine Eltern mit vielen Kindern teilen müssen. Fast 40 Jahre arbeitet mein Vater schon für ein Sonderpädagogisches Zentrum, erst als Pädagoge und seit 21 Jahren als Leiter. Seit Kurzem redet er über seine Pensionierung.

Nun - am Ende seines Berufslebens - wollte ich sehen, was das für Menschen sind, denen mein Vater seine gesamte Arbeitszeit gewidmet hat, sein Engagement und oft auch seine Freizeit.

Nach meinem Besuch konnte ich ihn gut verstehen. Die Fotos zu der Fotostrecke in diesem Heft entstanden mit Schülerinnen und Schülern aus Klassen des SPZ Stockerau.“

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige