Jungforscherinnen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 4/11 vom 27.10.2011

Ob es um das Innere der Sterne, Spuren vergangener Zeiten oder das Image der Mathematik geht: Dem Forscherdrang liegt immer eine tief empfundene Faszination zugrunde.

Victoria Antoci, 32, Uni Wien

"Die unvorstellbare Größe des Weltalls hat mich schon als Kind fasziniert“, sagt Victoria Antoci. Mittlerweile hat die gebürtige Rumänin an der Uni Wien Hunderte Sterne aus dem Beobachtungsspektrum des Kepler-Teleskops auf das gleichzeitige Aufweisen von sonnenähnlichen und Delta-Scuti-Pulsationen untersucht. "Die Asteroseismologie ist ungeheuer spannend“, sagt sie über ihr Spezialgebiet, bei dem aus den Schwingungen der Sterne Rückschlüsse auf ihr Inneres gezogen werden. Im Zuge ihrer Doktorarbeit "Searching for Solar-like Oscillations in Delta Scuti Stars“ konnte die Astronomin eine bestehende Theorie belegen und aufsehenerregende Ergebnisse in Nature publizieren. Gerade arbeitet sie in Vancouver bei einem kanadischen Satelliten mit.

Helga Müllneritsch, 29, Uni Graz

"Zum Gebrauche aller Kochlustigen“ lautet der Titel von Helga Müllneritschs Dissertation. Und weiter: "Das Frauenkochbuch Ms. 1963 der Universitätsbibliothek Graz als Ausgangspunkt einer kulturhistorischen und literatursoziologischen Analyse der Textgattung Kochbuch.“ Fürs wissenschaftlich fundierte "Häferlgucken“ erhielt die Germanistin heuer den Förderungspreis des Theodor-Körner-Fonds.Akribisch untersucht sie drei 200 Jahre alte Frauenkochbücher darauf, was sie über ihr Zielpublikum und deren Zeit verraten. Um sich ihre Studienobjekte zugänglich zu machen, hat sie sich zur Spezialistin fürs Edieren entwickelt. Was sie da-ran besonders begeistert: "Beim Erstellen eines Glossars entdecke ich viele vergessene Begriffe.“

Martina Gröschl, 41, Uni Klagenfurt

Ihre Passion für Mathematik entstand durch einen Zufall: Als Martina Gröschl nach der Matura etwas ratlos durch die Wiener Uni strich, verschlug es sie in eine Mathematikvorlesung. "Ich habe nichts verstanden, war aber sofort fasziniert“, lacht die hauptberufliche Wissenschaftskommunikatorin mit abgeschlossenem Mathematikstudium. "Mein Forschungsthema hat sich aus meiner Doppelausbildung ergeben“, erzählt sie. "Ich wollte tiefer hinter das schauen, was ich in meiner Arbeit an der Akademie der Wissenschaften sowieso die ganze Zeit mache.“ Seit drei Jahren untersucht sie für ihre Dissertation "Populärwissenschaftliche Mathematiksachbücher aus Perspektive der Wissenschaftsforschung und -didaktik“, wie Sachbuchautoren das Fach vermitteln. Auch das "völlig zu Unrecht!“ negative Image der Mathematik nimmt sie unter die Lupe.

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