Wir sind Klimawandel!

Carolin Giermindl | aus HEUREKA 4/11 vom 27.10.2011

Der Countdown zum Thema

531.000 000 Euro wird Österreich bis 2012 für CO2-Zertifikate ausgegeben haben. Die Republik muss jährlich Verschmutzungsrechte für Millionen Tonnen zu viel produzierter Treibhausgas-Emissionen einkaufen.

200.000 000 Menschen könnten bis 2050 wegen des Klimawandels ihre Existenzgrundlage verlieren und zu Flüchtlingen werden.

68.800 000 Tonnen Treibhausgas-Emissionen jährlich dürfen laut Kyoto-Protokoll nicht überschritten werden. Mit 80,1 Millionen Tonnen verfehlte Österreich 2010 das angestrebte Ziel.

13.000 000 Hektar Wald verschwinden jährlich weltweit von der Landkarte. Entwaldung ist für 20 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

140.000 Jahre alt oder älter ist das Grönlandeis, der größte Süßwasserspeicher der Erde. Ab einer Erwärmung von 1, 9 Grad Celsius ist ein Totalverlust des Eises nicht mehr zu verhindern.

120.000 bis 150.000 Quadratkilometer tropischer Regenwald werden jährlich abgeholzt. Der Wald im Amazonasgebiet ist der größte Treibhausgasfilter der Welt.

2050 wird sich der Fleischkonsum laut WHO weltweit verdoppelt haben. Die weltweiten Emissionen von Methan, einem hoch klimaschädigendem Gas, stammen zu 20 Prozent aus der Viehhaltung.

2011 wird das teuerste Naturkatastrophenjahr der Geschichte, gemessen am volkswirtschaftlichen Schaden. Allein das Erdbeben in Japan und die Folgen kosten rund 200 Milliarden US-Dollar.

2000 Meter - bis in diese Meerestiefe lässt sich eine Erwärmung der Ozeane feststellen. Der ph-Wert des Meerwassers veränderte sich im Verlauf des 21. Jahrhunderts schneller als je zuvor.

1992 fand in Rio de Janeiro die erste von insgesamt 16 Welt-Klimakonferenzen statt. Das Kyoto-Protokoll, 2005 ratifiziert, ist das bislang einzig verbindliche, völkerrechtliche Instrument dieser Klimapolitik.

1196 kleine Inseln, die Republik Malediven, wird es in 100 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Ihr Präsident Mohamed Nasheed appellierte 2009 unter Wasser an die Weltöffentlichkeit.

480 Millionen Afrikaner, so schätzt das UN Klimasekretariat (UNFCCC), werden 2025 in Gebieten leben, in denen Wasser knapp ist. Die Häufigkeit von Dürren hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt.

168 Wissenschafter aus aller Welt, darunter auch Nobelpreisträger Kenneth Arrow, warnen die EU davor, Biosprit als klimaneutral einzustufen. Österreich plant die Einführung von E10 für 2012.

140 Gramm CO2 pro Kilometer - dieser Wert gilt als Minimum! - stößt ein Pkw derzeit aus. 245.396 neu zugelassene Kraftfahrzeuge gab es heuer in der ersten Jahreshälfte allein in Österreich.

100 Jahre noch, dann sind die Korallenreiche im Indischen Ozean verschwunden, warnt der World Wildlife Fund WWF. Schon jetzt seien 20 Prozent der Riffe nicht mehr zu retten.

97 Prozent der Klimaforscher stimmen in einer Umfrage der Aussage zu: "Menschliche Aktivität ist ein signifikant beitragender Faktor bei der Veränderung der mittleren globalen Temperatur.“

20 Tonnen CO2 pro Jahr, das ist der höchste Pro-Kopf-Verbrauch der Welt, fallen auf einen US-Amerikaner. Das Land hat als einzige Industrie-Nation das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert.

11 der letzten zwölf Jahre zählen zu den wärmsten jemals gemessenen Jahren seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 1850.

3,1 Millimeter pro Jahr steigt der Meeresspiegel. Bis 2100 soll er laut zurückhaltenden Schätzungen um 90 Zentimeter ansteigen. Das hat für Küsten gravierende Auswirkungen. Ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe.

2 Grad Limit. Die globale Erwärmung soll zwei Grad Celsius nicht übersteigen, gemessen am Niveau der vorindustriellen Zeit. Das ist Ziel des Kyoto-Protokolls. Indigene Völker fordern ein 1, 5 Grad-Limit.

0,74 Grad Celsius. Um diesen Wert hat sich die durchschnittliche Lufttemperatur in den letzten hundert Jahren erhöht. Selbst bei einem sofortigen CO2-Stopp auf der ganzen Welt würde die Temperatur weiter ansteigen.

Minus 18 Grad Celsius. Das wäre die durchschnittliche Temperatur ohne den natürlichen Treibhauseffekt in der Atmosphäre. Es gibt auf der Erde kein Leben ohne Treibhauseffekt.

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Water / No Water

Im Südosten der Türkei zeigt der Klimawandel seine Auswirkungen auf subtile Weise. Langsam dringt die Syrische Wüste immer weiter nach Norden vor. Gleichzeitig will der türkische Staat seine rebellischen Kurdenprovinzen mit Entwicklungsprojekten wie etwa Dammbauten stärker an sich binden. Die Landschaft und die Lebensweise der Menschen verändern sich deshalb rasch. Immer öfter werden der traditionelle, trockene Landbau und das Nomadentum von industrieller Landwirtschaft mit künstlicher Bewässerung verdrängt, weil die immer längeren Trockenperioden diese Art der Bewirtschaftung unmöglich machen. Der steigende Wasserverbrauch verlangt nach neuen Dammbauten, was diese Entwicklung noch beschleunigt.

Der Fotograf Hans Hochstöger arbeitet seit 2009 an dem Projekt Water / No Water und dokumentiert die Auswirkungen des Klimawandels und der Politik des türkischen Staates auf die Menschen in den Kurden-gebieten. Mehr über seine Arbeit auf: www.hanshochstoeger.com

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