Kommentar

Forschung - eine Marginalie?

Christoph Kratky | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Universitäten berufen sich gerne auf das Humboldtsche Ideal von der "Einheit von Lehre und Forschung“, d. h. sie haben etwas mit Forschung zu tun. Im hochschulpolitischen Diskurs der letzten Zeit gerät die Forschung als Teil des universitären Ganzen allerdings zunehmend in den Hintergrund. Und weil das Thema "Lehre“ sich anschickt, die Lufthoheit über sämtlichen hochschulpolitischen Stammtischen an sich zu reißen, wird die Luft für die, die an Universitäten tatsächlich forschen wollen, merklich dünner.

Jetzt lässt sich natürlich argumentieren, dass es an Österreichs Hohen Schulen Vordringlicheres zu lösen gäbe, konkret die immer wieder beschworenen Probleme in der Lehre; und überhaupt: wo Einheit von Lehre und Forschung praktiziert würde, sei das Aufrechnen, was Lehre und was Forschung sei, eine Krämertätigkeit, die virtuelle Gräben zieht, wo keine Gräben sein dürfen.

Wenden wir uns also jenen Institutionen zu, die eindeutig der Forschung beziehungsweise deren Förderung zurechenbar sind, konkret der Österreichischen Akademie der Wissenschaft als größte Trägerin außeruniversitärer, akademischer Forschung, und dem Wissenschaftsfonds FWF als zentrale Institution der Förderung von Grundlagenforschung in Österreich. Erstere hat vor wenigen Tagen eine Leistungsvereinbarung mit dem BMWF abgeschlossen, die ihr mittelfristige Planungssicherheit, allerdings auf einem niederen und stagnierenden Niveau, garantiert. Dies stellt für die ÖAW eine immense Herausforderung dar und zwingt sie zu schmerzhaften Schritten, die bis zum Schließen einiger ihrer Einrichtungen gehen. Um den Ausfall im Grundbudget ein wenig abzumildern, hat sich die ÖAW in den Leistungsvereinbarungen verpflichtet, ihre Bemühungen zur Einwerbung von Drittmitteln zu intensivieren. Ähnliche Aussagen finden sich in den Leistungsvereinbarungen der meisten Universitäten mit dem Wissenschaftsministerium. In der Tat spricht auch die FTI-Strategie der Bundesregierung von einem "Ausbau der Drittmittelforschung der Hochschulforschung über Projekte des Wissenschaftsfonds“.

Wenn alle diese Forschungsträgereinrichtungen mit dem Wissenschaftsministerium vereinbart haben, sich um mehr Geld vom FWF zu bemühen, ist der Hinweis nicht unerheblich, dass das Budget des FWF seit mehreren Jahren stagniert (d.h. seit 2009 nicht einmal der Inflation angepasst wurde). Man darf niemandem Zynismus unterstellen, aber ich orte hier Inkonsistenz.

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