Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

"80 Prozent der Österreicher flüchten in die Frühpension“, lautet eine Schlagzeile in einem Druckwerk, das heute als Tageszeitung durchgeht. Man sieht sie förmlich vor sich: Massen von Menschen, die panikartig aus Bürohäusern und Werkshallen strömen, um in Charter-Flugzeugen das Land Richtung Mallorca oder Kanarische Inseln zu verlassen. Was den Japaner Godzilla, scheint den Österreichern die Arbeit zu sein. Wenn das stimmt, was in dem Blatt steht, dann war die Angst vor der Arbeit Anfang der Siebzigerjahre noch weniger weit verbreitet. Damals arbeiteten die Österreicher im Schnitt um vier Jahre länger als heute. Wahrscheinlich, weil es weniger Billigflüge nach Mallorca gab.

Dem Godzilla der Österreicher, der Arbeit, ist diese Ausgabe gewidmet. Vielleicht können uns Wissenschafter sagen, warum wir Österreicher uns so sehr davor fürchten. Ein Grund, der von einigen genannt wird, könnte der wachsende Druck zur Selbstverwirklichung in der Arbeit sein. Wir arbeiten nicht mehr gemeinsam, sondern als Konkurrenten um die Karriere. Diese Karriere entpuppt sich dann für die meisten Menschen als Sackgasse. Was nach dieser späten Einsicht von der Arbeit noch bleibt, ist der Wunsch, sie so schnell wie möglich beenden zu dürfen.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige