Veterinärmedizin

Pferdefohlen brauchen erwachsene Begleitesel

Sonja Burger | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Um sensiblen Pferdefohlen ein gedeihliches "Absetzen“ zu ermöglichen, sind ältere Tiere als Beistand von Vorteil

Pferdefohlen sind sensibel. Eine abrupte Trennung von der Mutter bekommt ihnen ganz und gar nicht. Dieses "Absetzen“ ist belastender, als bisher angenommen wurde: Am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften erbrachte man dafür den wissenschaftlichen Nachweis und zeigte eine Alternative auf.

In der Pferdezucht findet das Absetzen früher als in freier Wildbahn statt. In der ersten Zeit sind die Fohlen extrem unruhig, rennen viel herum und verletzen sich dabei im schlimmsten Fall, wiehern häufiger und fressen weniger.

Dieses traumatische Erlebnis auf hohem Stressniveau zieht langfristig oft psychische Verhaltensstörungen wie koppen, weben oder die Entwicklung zum "Kleber“ nach sich.

Wie hoch die Belastung beim Absetzen tatsächlich ist, konnten Forscher am Graf-Lehndorff-Institut nun in einer Studie empirisch belegen.

"Der Stress, den Fohlen empfinden, ist deutlich größer als beim Anreiten und steht dem beim Transport um nichts nach“, gibt die Tierärztin Christine Aurich zu bedenken.

Nicht nur das Verhalten, sondern auch die Konzentration von Stresshormonen im Speichel und die Herzschlagrate zogen die Experten für die Studie heran. Zwar war das Stressniveau gleich nach der Trennung bei allen Versuchstieren gleich hoch. Allerdings verkrafteten es diejenigen am besten, die von anderen Stuten vor und nach dem Absetzen begleitet wurden.

"Direkte Verwandtschaft ist aber kein Kriterium“, so Tierärztin Aurich, "es kann auch ruhig ein Wallach, Pony oder Esel sein. Hauptsache, das Tier ist ein bisschen älter und besitzt Lebenserfahrung.“

Damit könne jeder Züchter mit wenig Aufwand den Fohlen und schließlich auch sich selbst einen großen Gefallen tun.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige