Soziologie

Die 4. Europäische Wertestudie wurde vorgestellt. Ist sie eine Studie ohne soziologischen Wert?

Sonja Burger | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Ob die 4. Europäische Wertestudie aussagekräftig ist und welchen Nutzen man aus ihr ziehen kann, darüber scheiden sich die Geister. Der Stadtsoziologe Jens S. Dangschat ist ein überzeugter Kritiker. Er sorgte mit seinen Aussagen bei der Präsentation von "Zukunft.Werte.Europa. Die Europäische Wertestudie 1990-2010: Österreich im Vergleich“ an der TU Wien für heftige Diskussionen.

"Die Studie ist eigentlich rausgeschmissenes Geld“, bedauert der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie ÖGS das Ergebnis der Europäischen Wertestudie. Für die Publikation von Regina Polak, die den Wertewandel in Österreich im europäischen Vergleich zwischen 1990 und 2010 näher beleuchtet, verfasste er einen Beitrag über die Rolle von (Groß-)Städten in der Wertelandschaft. Dabei stieß er auf fundamentale Defizite, auf die er bei der Buchpräsentation im Oktober auch beherzt aufmerksam machte.

Beispielsweise eigne sich die Studie nur sehr eingeschränkt für Aussagen über Wertvorstellungen auf Bundesland-, Stadt- oder Gemeindeebene. Denn die Stichprobe sei zwar groß, aber unterhalb der nationalstaatlichen Ebene nicht repräsentativ. Um eine Aussage über die Wertekonstellation innerhalb einer Gruppe treffen zu können, müsse gewährleistet sein, dass sie in der Stichprobe auch ausreichend vertreten ist.

Seine kritische Haltung steht sinnbildlich für den Streit innerhalb der scientific community zwischen jenen, die europaweite Befragungen zu Wertvorstellungen für sinnvoll halten und denen, für die die empirische Werteforschung auf nationalstaatlicher Ebene und darunter gehaltvoller ist. Werte und Einstellungen wandeln sich im Laufe der Zeit und ihre Heterogenität nimmt zu. Gleichzeitig verlieren althergebrachte Indikatoren immer mehr an Aussagekraft.

Dieses Dilemma war 1981, als holländische Forscher der European Value Systems Study Group die erste Europäische Wertestudie durchführten, noch kein Thema. Für Dangschat ist eine solche Studie in Zukunft nur dann ihr Geld wert, "wenn die Konzeption komplett überarbeitet wird“.

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